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Einfluss von Stress auf Stoffwechselprozesse

Einordnung

Stress ist ein biologisches Aktivierungsprogramm, das Energie für Anforderungen bereitstellt und gleichzeitig nicht unmittelbar benötigte Systeme herunterreguliert. Diese Reaktionen betreffen nahezu alle Stoffwechselprozesse: Glukosebereitstellung, Fettstoffwechsel, Verdauungsaktivität, Appetit, Temperaturregulation, Immunfunktionen und hormonelle Rhythmen. Die Mechanismen sind stabil, gut untersucht und gelten als Basiswissen in Endokrinologie, Neurobiologie und Stressforschung.

Zentrale Mechanismen

1. Aktivierung der HPA-Achse und Cortisolfreisetzung

Cortisol ist ein zentrales Stresshormon. Es:

  • steigert Glukoneogenese (Glukoseproduktion aus Aminosäuren)
  • erhöht Blutzuckerspiegel, um das Gehirn mit Energie zu versorgen
  • beeinflusst Fettverteilung und Lipolyse
  • moduliert Immunsystem und Verdauungsprozesse
  • verändert Tagesrhythmen, wenn Aktivierung häufig erfolgt

Cortisol folgt normalerweise einem stabilen 24-Stunden-Verlauf (hoch am Morgen, niedrig am Abend). Stress kann diesen Verlauf verschieben oder abflachen.

2. Sympathikusaktivierung und Katecholamine

Adrenalin und Noradrenalin:

  • erhöhen Herzfrequenz und Blutdruck
  • erhöhen akuten Energieverbrauch
  • beschleunigen Bereitstellung von Glukose und freien Fettsäuren
  • hemmen Magen-Darm-Motilität
  • verringern die Sensitivität für Hunger- und Sättigungssignale

Dies erklärt, warum viele Menschen unter Anspannung weniger essen – oder abends kompensatorisch mehr.

3. Hemmung parasympathischer, regenerativer Prozesse

Stress reduziert vagale Aktivität (parasympathisch), wodurch:

  • Verdauung verlangsamt
  • Nährstoffaufnahme verändert
  • Mikrobiomzusammensetzung beeinflusst
  • Regeneration zeitweise gehemmt wird

Dies ist keine Störung, sondern eine erwartbare Allokation biologischer Ressourcen.

4. Einfluss auf Appetit- und Energieregulation

Stress moduliert:

  • Ghrelin (Hungerhormon)
  • Leptin (Sättigungshormon)
  • Insulinsensitivität
  • Belohnungssensitivität im Gehirn

Kurzfristiger Stress senkt oft den Appetit, chronischer Stress erhöht häufig die Tendenz zu energiedichter Nahrung – beides gut replizierte Befunde.

5. Langfristige allostatische Konsequenzen

Wenn Belastung häufig auftritt, nimmt die „allostatische Last“ zu:

  • erhöhte Energiefluktuation
  • Erschöpfungsgefühle
  • veränderte circadiane Rhythmen
  • reduzierte Belastungstoleranz

Dies beschreibt normale systemische Anpassung, keine Pathologie.