Einordnung
Die Darm–Hirn-Achse beschreibt ein komplexes, bidirektionales Kommunikationsnetz zwischen:
- Gehirn
- enterischem Nervensystem
- Immunsystem
- Mikrobiota
- Stoffwechselprodukten
- neuroendokrinen Systemen
Dieser Bereich ist wissenschaftlich gut untersucht, jedoch häufig in populären Darstellungen verkürzt. Die folgende Darstellung konzentriert sich auf gesicherte Zusammenhänge.
Zentrale Mechanismen
1. Neuronale Kommunikation über den Vagusnerv
Der Vagus transportiert Informationen über:
- Dehnung
- Motilität
- chemische Signale
- Entzündungsaktivität
direkt ins Gehirn.
Er beeinflusst Stimmung, Stressverarbeitung und vegetative Balance.
2. Enterisches Nervensystem („Bauchhirn“)
Es enthält:
- über 100 Millionen Nervenzellen
- autonome Reflexkreise
- direkte Reaktion auf chemische Zusammensetzung von Nahrung
Es steuert Verdauung weitgehend unabhängig vom Gehirn.
3. Mikrobiota als Stoffwechselorgan
Mikroorganismen im Darm produzieren:
- kurzkettige Fettsäuren
- Neurotransmitter-Vorstufen
- immunmodulierende Stoffe
Diese beeinflussen:
- Barrierefunktion
- Entzündungsaktivität
- Stresssensitivität
- Energieverfügbarkeit
4. Immunologische Kommunikation
Zytokine und Entzündungsmediatoren modulieren HPA-Achse und vegetative Aktivität.
Stress verstärkt umgekehrt immunologische Aktivierungsprozesse im Darm.
5. Stress → Darm / Darm → Stress
Gut belegt ist:
- Stress reduziert Motilität
- verändert Barrierefunktion
- beeinflusst Mikrobiota-Zusammensetzung
- erhöht Sensitivität gegenüber abdominalen Empfindungen

