Einordnung
Mentale Ermüdung entsteht durch anhaltende kognitive Beanspruchung, hohe Konzentrationsanforderungen, Entscheidungsdichte und emotionale Verarbeitung. Sie beeinflusst nicht primär die physiologische Leistungsfähigkeit, sondern die subjektive Belastungswahrnehmung, die Impulskontrolle und die Fähigkeit, Präzision und Fokus aufrechtzuerhalten. Leistungsdruck verstärkt diese Effekte durch erhöhte Wachsamkeit, Bewertungsprozesse und emotionale Beanspruchung.
Zentrale Mechanismen
1. Subjektive Belastungswahrnehmung (RPE)
Studien zeigen:
- Mentale Ermüdung steigert die wahrgenommene Anstrengung stärker als die objektive Belastung.
- Damit verkürzt sie Durchhaltevermögen und reduziert technische Stabilität.
2. Kognitive Erschöpfung des PFC
Lange Aufmerksamkeitseinheiten belasten präfrontale Netzwerke.
Folge:
- langsamere Informationsverarbeitung
- schlechtere Qualität taktischer Entscheidungen
- stärkere Fehlerfokussierung
3. Emotionale Belastung
Druck erzeugt zusätzliche Beanspruchung, da Aufmerksamkeit auf Bewertung statt auf Aufgabenprozesse gerichtet wird.
Effekt:
- Überfokussierung auf Fehler
- Verringerung automatisierter Bewegungen
- Risiko für „Choking“ steigt
4. Motivationale Faktoren
Hoher Leistungsdruck verschiebt Motivation:
- weniger intrinsischer Fokus
- mehr Selbstüberwachung
Das beeinträchtigt Entscheidungs- und Aktionsqualität.
Relevante Wirkzusammenhänge
- Mentale Ermüdung verringert Koordination wesentlich früher als Kraft oder Ausdauer.
- Leistungsdruck verstärkt Muskeltonus und führt zu unökonomischen Bewegungsmustern.
- In komplexen Sportarten sinkt Entscheidungsgenauigkeit schneller als reine körperliche Leistung.
Kontext im Sport und Alltag
Zentral für:
- Turniersituationen
- lange Trainingseinheiten
- anspruchsvolle berufliche Belastungsphasen
- Wettkämpfe mit hohen taktischen Anforderungen

