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Handhabbarkeit (Sense of Coherence/Salutogenese)

Handhabbarkeit ist eine der drei Kernkomponenten des Sense of Coherence im salutogenetischen Modell und beschreibt die subjektive Überzeugung, über ausreichende Ressourcen zu verfügen, um den Anforderungen des Lebens wirksam begegnen zu können. Diese Ressourcen können intern (Fähigkeiten, Erfahrung, Selbstwirksamkeit, Emotionsregulation) oder extern (soziale Unterstützung, Strukturen, Zeit, Wissen) sein. Entscheidend ist nicht die objektive Menge an Ressourcen, sondern deren wahrgenommene Verfügbarkeit und Nutzbarkeit.

Gesundheitspsychologisch wirkt Handhabbarkeit als Stresspuffer: Wenn Anforderungen als bewältigbar eingeschätzt werden, fallen Stressreaktionen geringer aus, die emotionale Aktivierung ist besser reguliert und die Handlungsfähigkeit bleibt erhalten. Neurokognitiv stützt Handhabbarkeit präfrontale Bewertungs- und Kontrollprozesse (Planung, Priorisierung), die automatische Bedrohungsreaktionen modulieren. Stressphysiologisch ist sie mit geringerer Grundaktivierung, schnellerer Erholung und stabilerer autonomer Balance assoziiert.

Handhabbarkeit entsteht über Erfahrungslernen: wiederholte erfolgreiche Bewältigung, transparente Anforderungen, klare Rollen, realistische Erwartungen und verlässliche Unterstützung erhöhen sie. Umgekehrt schwächen Überforderung, chronische Unsicherheit, unklare Ziele und fehlende Rückmeldungen die Handhabbarkeit, selbst bei vorhandenen Ressourcen. Wichtig ist die Abgrenzung: Handhabbarkeit bedeutet nicht Kontrolle über alles, sondern eine realistische Einschätzung, was beeinflussbar ist und wie Unterstützung genutzt werden kann.

Im Coaching-Kontext wird Handhabbarkeit nicht diagnostisch bewertet. Sie dient als Orientierungsgröße für Selbstregulation und nachhaltige Selbstführung—etwa durch Kontext- und Erwartungsmanagement, Priorisierung, Ressourcenklärung und Rhythmisierung—ohne therapeutische Interventionen.