Grübeln (Rumination) bezeichnet wiederholte, selbstbezogene Denkprozesse, die sich in gedanklichen Schleifen um Sorgen, Bewertungen oder ungelöste Fragen drehen, ohne zu funktionalen Lösungen zu führen. In der kognitiven Psychologie gilt Rumination als Form perseverativen Denkens, das kurzfristig der Orientierung und Kontrolle dient, unter anhaltender Belastung jedoch selbst stressverstärkend wirkt. Nächtliche Übererregung beschreibt den Zustand erhöhter mentaler und physiologischer Aktivierung am Abend oder in der Nacht, der das Ein- und Durchschlafen erschwert.
Neurokognitiv ist Grübeln mit erhöhter Aktivität des Default Mode Network (DMN) verbunden, das Selbstbezug und mentale Simulation unterstützt. Gleichzeitig nimmt die Wirksamkeit präfrontaler Kontrollnetzwerke ab, die Perspektivwechsel, Inhibition und Abschluss ermöglichen. Stressphysiologisch verstärken sympathische Aktivierung und HPA-Achsen-Dynamik (z. B. verzögerter Cortisolabfall) die Wachheit; der circadiane Übergang in schlaffördernde Zustände wird erschwert. Diese Kopplung erklärt, warum Grübeln besonders abends auftritt und sich nachts verselbstständigen kann.
Schlafmedizinisch ist relevant, dass das Gehirn in der Einschlafphase eine Abnahme von Arousal benötigt. Grübeln hält jedoch Aufmerksamkeit und Bewertungsprozesse aktiv, was die Schlafhomöostase unterläuft. Häufige Begleitmuster sind Aufmerksamkeitsverengung, Bedrohungsfokus, erhöhte Interozeption (z. B. Herzklopfen) und eine Verschiebung hin zu automatisierten Bewertungsroutinen. Wichtig: Grübeln ist kein Defizit, sondern ein kontextabhängiger Regulationsversuch, der bei anhaltender Belastung ineffizient wird.
Im Coaching-Kontext werden Grübeln und nächtliche Übererregung nicht diagnostisch behandelt. Sie dienen als Marker für Übererregung, Ambivalenzen, unklare Erwartungen oder fehlende Erholungsfenster. Evidenzbasiert wird an Bewertungsflexibilität, Aufmerksamkeitssteuerung, Kontext- und Erwartungsmanagement sowie Rhythmisierung gearbeitet, um kognitive Flexibilität und schlaffördernde Bedingungen zu erhöhen—ohne therapeutische Interventionen.

