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Glaubenssatzarbeit

Glaubenssatzarbeit bezeichnet einen reflektierenden, nicht-therapeutischen Ansatz zur Bewusstmachung, Einordnung und funktionalen Neubewertung stabiler Annahmen (Glaubenssätze), die Wahrnehmung, Emotionen und Verhalten prägen. Sie stützt sich auf Befunde der Kognitionspsychologie, Stressforschung und Selbstregulationsforschung, wonach Bewertungen (Appraisals) zentrale Treiber emotionaler Reaktionen und Handlungsimpulse sind. Ziel ist nicht das „Umpolen“ von Überzeugungen, sondern die Erhöhung von Bewertungsflexibilität und Kontextsensitivität.

Kognitiv fokussiert Glaubenssatzarbeit auf die Trennung von Beobachtung und Interpretation sowie auf die Identifikation impliziter Annahmen, die unter Stress automatisch aktiviert werden. Neurokognitiv geht es um die Stärkung präfrontaler Top-down-Prozesse (Perspektivwechsel, Inhibition), die eine Neubewertung ermöglichen, während limbische Relevanzsignale eingeordnet werden. Stress reduziert diese Flexibilität; daher adressiert Glaubenssatzarbeit auch Erregungsniveau, Aufmerksamkeitssteuerung und Erholung, um kognitive Beweglichkeit zu begünstigen.

Funktional betrachtet erfüllen Glaubenssätze Zwecke (z. B. Schutz, Orientierung, Leistungssicherung). Glaubenssatzarbeit fragt daher nach Funktion, Kontextpassung und Kosten-Nutzen-Relation statt nach „richtig/falsch“. Typische Schwerpunkte sind Leistungs- und Kontrollannahmen, Beziehungs- und Sicherheitsüberzeugungen sowie Erwartungen an sich selbst. Veränderung erfolgt primär über Erfahrungslernen, konkrete Kontextanpassungen und präzise Erwartungen—nicht durch bloße Affirmationen.

Im Coaching wird Glaubenssatzarbeit klar von Diagnostik und Therapie abgegrenzt. Sie dient der Selbstreflexion, der Handlungsorientierung und der Stabilisierung von Selbstregulation in Arbeits-, Leistungs- und Gesundheitskontexten.