Gewohnheitsbildung (Habits) bezeichnet den Lernprozess, durch den Verhaltensweisen durch wiederholte Ausführung in stabilen Kontexten automatisiert werden. In der Verhaltens- und Kognitionspsychologie gilt Gewohnheitsbildung als assoziatives Lernen: Bestimmte Auslöser (Cues) werden zuverlässig mit einer Handlung und deren Konsequenzen verknüpft. Neurobiologisch verlagert sich die Steuerung dabei schrittweise von präfrontalen Kontrollnetzwerken (bewusste Planung) zu basalganglionären Strukturen (v. a. Striatum), die effiziente, energiesparende Routinen ermöglichen.
Zentral ist die Kontextabhängigkeit: Ort, Zeit, soziale Signale und vorausgehende Zustände (z. B. Erregungsniveau) bestimmen, ob ein Habit ausgelöst wird. Entgegen verbreiteter Annahmen ist Belohnung nicht zwingend hedonisch; auch Spannungsreduktion, Zeitersparnis oder Sicherheit wirken verstärkend. Forschung zeigt, dass Konsistenz (häufige Wiederholung im gleichen Kontext) wichtiger ist als Motivation oder Willenskraft. Die Dauer bis zur Stabilisierung variiert stark interindividuell und je nach Komplexität der Handlung—es gibt keinen festen „Zeitwert“.
Stress beeinflusst Gewohnheitsbildung doppelt: Akuter Stress kann die Etablierung einfacher Routinen erleichtern (Automatisierung), während chronischer Stress die flexible Anpassung erschwert und bestehende, auch ungünstige Gewohnheiten verstärkt. Schlaf, Erholung und Aufmerksamkeit modulieren die Lernrate maßgeblich. Deshalb gelingen Habit-Änderungen eher, wenn Kontexte vereinfacht, Startpunkte niedrigschwellig gewählt und Feedbackschleifen klar sind.
Im Coaching-Kontext wird Gewohnheitsbildung nicht therapeutisch eingesetzt. Der Fokus liegt auf Kontextgestaltung, Erwartungsmanagement und Umsetzungsdesign (z. B. klare Cues, einfache Handlungen, verlässliche Wiederholung), um Selbstregulation, Gesundheitsverhalten und Leistungsroutinen nachhaltig zu stabilisieren.

