Generalisiertes Gefahrenempfinden bezeichnet einen Zustand, in dem das Nervensystem dauerhaft erhöhte Bedrohungsrelevanz signalisiert, obwohl keine konkrete oder unmittelbare Gefahr vorliegt. Psychologisch äußert sich dies als anhaltende Wachsamkeit, Unsicherheitsfokus und die Tendenz, neutrale oder mehrdeutige Reize vorschnell als riskant zu interpretieren. Entscheidend ist die Generalisierung: Das Alarmsystem reagiert nicht mehr nur auf spezifische Auslöser, sondern breit auf unterschiedliche Situationen, Kontexte oder Gedanken.
Neurobiologisch ist dieser Zustand mit einer erhöhten Sensitivität limbischer Netzwerke (insbesondere Amygdala) und einer reduzierten top-down-Modulation durch präfrontale Kontrollareale verbunden. Stressphysiologisch zeigen sich häufig erhöhtes Grundarousal, vermehrte sympathische Aktivität und eine leichtere Aktivierbarkeit der HPA-Achse. Lern- und Gedächtnisprozesse tragen zur Stabilisierung bei: Wiederholte Kopplungen von Unsicherheit/Belastung mit Alarmreaktionen fördern Generalisierungslernen, wodurch das System „auf Sicherheit kalibriert“, aber Flexibilität verliert.
Psychologisch wirkt generalisiertes Gefahrenempfinden funktional als Schutzmodus: Es soll Fehler vermeiden und Risiken früh erkennen. Unter chronischer Belastung wird dieser Modus jedoch kostspielig: Aufmerksamkeitsverengung, perseveratives Denken, erhöhte Reizbarkeit, Erschöpfung und eingeschränkte Entscheidungsqualität nehmen zu. Wichtig ist die klare Abgrenzung: Der Begriff beschreibt einen Regulationszustand, keine Diagnose. Er erklärt, warum Menschen unter Dauerstress Sicherheit suchen, Kontrolle erhöhen oder Situationen meiden—ohne pathologisierende Zuschreibung.
Im Coaching-Kontext dient das Konzept dazu, Bedrohungsbewertungen von objektiven Gefahren zu unterscheiden, Kontext- und Erwartungsmanagement zu verbessern und Aufmerksamkeits- sowie Bewertungsflexibilität zu stärken. Ziel ist nicht das Abschalten von Alarmreaktionen, sondern deren kontextangemessene Rückkalibrierung, um Handlungsfähigkeit und Gelassenheit zu erhöhen—ohne therapeutische Interventionen.

