Gelassenheitsförderung bezeichnet die systematische Unterstützung von Bedingungen und Prozessen, die einen regulierten, emotional ausgeglichenen und handlungsfähigen Zustand begünstigen. Sie zielt nicht auf das Unterdrücken von Emotionen, sondern auf die Verbesserung der Selbstregulation über Aufmerksamkeit, Bewertung, Erregungsniveau und Kontextgestaltung. In der psychologischen Forschung wird Gelassenheit als emergentes Ergebnis aus Emotionsregulation, kognitiver Flexibilität, realistischer Kontrollannahme und autonomer Balance verstanden.
Neurobiologisch stützt Gelassenheitsförderung die Integration präfrontaler Kontrollnetzwerke (Bewertung, Inhibition, Perspektivwechsel) mit limbischen Systemen (Relevanz- und Emotionsverarbeitung). Stressphysiologisch ist sie mit einer angemessenen parasympathischen Aktivierung verbunden, die Grundanspannung senkt, Erholungsfähigkeit erhöht und reaktive Übersteuerung reduziert. Entscheidend ist die situationsangemessene Dosierung von Arousal—Gelassenheit bedeutet weder Passivität noch Gleichgültigkeit, sondern reagierende Ruhe bei gleichzeitiger Handlungsbereitschaft.
Wissenschaftlich gut belegt ist, dass Gelassenheit durch mehrere Einflussfaktoren wahrscheinlicher wird:
- Aufmerksamkeitssteuerung (Weitung/Engung je nach Kontext)
- Bewertungsflexibilität (Unterscheidung von Einfluss vs. Akzeptanz)
- Erregungsmanagement (Rhythmus, Pausen, Atem- und Aktivierungsregulation)
- Erholungsqualität (Schlaf, Regeneration, Reizreduktion)
- Kontext- und Erwartungsmanagement (Prioritäten, Rollenklärung, Grenzen)
- Selbstwirksamkeit (erlebte Handlungsfähigkeit unter Unsicherheit)
Im Coaching wird Gelassenheitsförderung nicht normativ verordnet. Sie dient als Orientierungsrahmen, um Belastungsdynamiken zu verstehen und Bedingungen zu gestalten, unter denen gelassenes Reagieren wahrscheinlicher wird—ohne therapeutische Interventionen. Ziel ist die Stabilisierung von Entscheidungsqualität, sozialer Präsenz und Lernfähigkeit unter Druck.

