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Gelassenheit

Gelassenheit bezeichnet einen stabilen inneren Zustand emotionaler Ausgeglichenheit, in dem Menschen auf innere und äußere Reize reaktionsarm, differenziert und handlungsfähig reagieren können. In der Psychologie wird Gelassenheit nicht als Passivität verstanden, sondern als Ergebnis effektiver Selbstregulation: Emotionen werden wahrgenommen und eingeordnet, ohne sie zu unterdrücken oder von ihnen überwältigt zu werden. Zentrale Komponenten sind kognitive Flexibilität, Emotionsregulation, Aufmerksamkeitssteuerung und eine realistische Bewertung von Kontrolle und Einfluss.

Neurobiologisch ist Gelassenheit mit einer balancierten Aktivität zwischen limbischen Systemen (Relevanz- und Emotionsverarbeitung) und präfrontalen Netzwerken (Bewertung, Inhibition, Perspektivwechsel) verbunden. Ein reguliertes autonomes Nervensystem (angemessene parasympathische Aktivität) unterstützt niedrigere Grundanspannung, ruhigere Atmung und geringere Stressreaktivität. Stressphysiologisch bedeutet Gelassenheit kein Fehlen von Arousal, sondern dessen situationsangemessene Dosierung—weder Übererregung noch Untererregung.

Psychologisch fungiert Gelassenheit als Ressource für Entscheidungsqualität, soziale Präsenz und Lernfähigkeit. Sie erleichtert den Umgang mit Unsicherheit, Fehlern und Ambivalenzen, da Bewertungen weniger bedrohlich ausfallen und Handlungsoptionen breiter wahrgenommen werden. Forschung zu Achtsamkeit, Emotionsregulation und Selbstwirksamkeit zeigt, dass Gelassenheit trainierbar ist—über Routinen, Erholung, Aufmerksamkeit und kontextangemessene Erwartungen—ohne therapeutische Interventionen zu erfordern.

Im Coaching wird Gelassenheit nicht normativ eingefordert. Sie dient als Orientierungszustand, der anzeigt, dass Stress, Aufmerksamkeit und Emotionen funktional koordiniert sind. Ziel ist es, Bedingungen zu verstehen und zu gestalten, unter denen Gelassenheit wahrscheinlicher wird (z. B. klare Prioritäten, Pausen, realistische Kontrollannahmen), nicht ein dauerhaft „ruhiges“ Erleben zu erzwingen.