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Gefühle

Gefühle sind subjektiv erlebte, bewertende Zustände, die aus dem Zusammenspiel von neuronaler Verarbeitung, körperlicher Aktivierung und kognitiver Einordnung entstehen. In der Emotionspsychologie werden Gefühle als bewusste Erlebnisdimension von Emotionen verstanden: Während Emotionen schnelle, teils automatische Reaktionsprogramme (inkl. physiologischer Veränderungen) beschreiben, repräsentieren Gefühle deren bewusste Wahrnehmung und Interpretation. Sie integrieren Signale aus dem autonomen Nervensystem (z. B. Herzrate, Atmung), aus limbischen Strukturen (u. a. Amygdala, Insula) sowie aus präfrontalen Arealen, die Bedeutung, Kontext und Handlungsoptionen einordnen.

Neurobiologisch sind Gefühle eng mit Interozeption verknüpft – der Wahrnehmung innerer Körperzustände. Die Insula spielt hierbei eine Schlüsselrolle, indem sie viszerale Signale in bewusste Empfindungen übersetzt. Psychologisch fungieren Gefühle als Orientierungs- und Bewertungssignale: Sie markieren Relevanz („wichtig vs. unwichtig“), Valenz („angenehm vs. unangenehm“) und Dringlichkeit („jetzt handeln vs. abwarten“). Unter Stress verschieben sich diese Prozesse: erhöhte Erregung kann Gefühle intensivieren, differenzierte Wahrnehmung einschränken und zu schnellen, weniger flexiblen Bewertungen führen.

Gefühle beeinflussen Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Entscheidungen und Verhalten bidirektional. Sie sind kontextabhängig, lernbar modulierbar und variieren interindividuell. Weder sind sie rein „irrational“ noch vollständig willentlich steuerbar; vielmehr spiegeln sie die aktuelle Passung zwischen Bedürfnissen, Zielen und Umweltbedingungen wider. In sozialen Kontexten übernehmen Gefühle zudem kommunikative Funktionen (z. B. Nähe, Abgrenzung, Koordination).

Im Coaching-Kontext werden Gefühle nicht diagnostisch bewertet. Sie dienen als Informationsquelle für Selbstwahrnehmung, Stress- und Bedürfnislagen sowie Entscheidungsprozesse. Ziel ist ein funktionaler Umgang: Wahrnehmen, Benennen, Einordnen und situationsangemessene Regulation – ohne therapeutische Interventionen.