Stress – Schlaf – Schmerzen – Stoffwechsel – Sport – Sozialität – Sucht – Selbst

Fünf-Faktoren-Modell / Big Five

Das Fünf-Faktoren-Modell (FFM) – international als Big Five bezeichnet – ist das am stärksten empirisch abgesicherte Persönlichkeitsmodell der modernen Psychologie. Es beschreibt stabile, zeitlich konsistente und kulturübergreifend replizierte Persönlichkeitsdimensionen, die menschliches Denken, Fühlen und Verhalten systematisch strukturieren. Das Modell geht auf umfangreiche Faktorenanalysen zurück, die aus zehntausenden Persönlichkeitsbeschreibungen extrahiert wurden und in unterschiedlichsten Populationen konsistent fünf zentrale Faktoren zeigen. Es handelt sich nicht um ein diagnostisches Instrument, sondern um eine wissenschaftliche Strukturierung individueller Dispositionen, die für Coaching, Selbstreflexion und Selbstregulation besonders relevant ist, da sie Unterschiede in Stressreaktivität, Motivation, Verhaltensmustern und sozialer Interaktion erklärbar machen.

Die fünf Dimensionen sind:

1. Neurotizismus (Emotionale Stabilität / Stresssensitivität)

Beschreibt die Anfälligkeit für negative Affekte wie Angst, Ärger, Unsicherheit, Stressüberforderung und Belastungsempfindlichkeit. Personen mit höheren Werten zeigen stärkere physiologische und emotionale Reaktivität; Personen mit niedrigeren Werten eher emotionale Stabilität. In der Stressforschung ist Neurotizismus einer der stärksten Prädiktoren für erhöhte Stressreaktionen, Grübeln und negative Bewertungstendenzen.

2. Extraversion

Beschreibt die Neigung zu Aktivität, Kontaktfreude, positiver Affektivität und energievollen Verhaltensmustern. Extravertierte Personen zeigen häufig höhere dopaminerge Aktivierung (Belohnungsorientierung), während introvertiertere Personen stärker auf Stimulation, Ruhe und Reizreduktion achten. Extraversion beeinflusst soziale Präsenz, Kommunikationsmuster und Stresspufferung durch soziale Unterstützung.

3. Offenheit für Erfahrungen (Openness)

Erfasst kognitive Flexibilität, Kreativität, Neugier, Imaginationsfähigkeit sowie eine differenzierte Wahrnehmung interner und externer Reize. Hohe Offenheit begünstigt Lernprozesse, Perspektivwechsel und komplexe Problemlösung; niedrige Offenheit bevorzugt Struktur, Routine und Verlässlichkeit. In Coaching-Prozessen erklärt Offenheit die Bereitschaft zur Veränderung und Reflexion.

4. Verträglichkeit (Agreeableness)

Beschreibt kooperative, verständnisvolle, empathische und sozial unterstützende Verhaltensweisen. Sie umfasst Wärme, Altruismus, Konfliktvermeidung und Rücksichtnahme. Verträglichkeit beeinflusst soziale Sicherheit, Bindungsmuster, Teamdynamiken und Konfliktverarbeitung. Niedrige Werte können sich in Konkurrenzorientierung, Direktheit oder größerer Unabhängigkeit zeigen – nicht pathologisch, sondern dispositionsbedingt.

5. Gewissenhaftigkeit (Conscientiousness)

Erfasst Zielorientierung, Struktur, Verantwortungsgefühl, Selbstkontrolle und Durchhaltevermögen. Hohe Gewissenhaftigkeit sagt langfristigen Erfolg, gesundheitsförderliches Verhalten und stärkere Impulskontrolle voraus. Extrem hohe Werte können jedoch zu Perfektionismus und Überkontrolle führen; niedrige Werte stehen eher für Flexibilität oder situationsabhängige Planungsfähigkeit.

Psychologische und neurowissenschaftliche Relevanz

Die Big Five korrelieren systematisch mit:

  • Stressphysiologie (HPA-Achse, autonomes Nervensystem)
  • Emotionsregulation und Impulskontrolle
  • sozialer Interaktion und Bindungsmustern
  • Selbstwirksamkeitsüberzeugungen
  • Gesundheitsverhalten und Belastungsstabilität

Damit stellen sie ein zentrales Modell dar, um individuelle Unterschiede in Selbstregulation, Belastungsmustern und Coaching-Prozessen verständlich einzuordnen — ohne klinische Diagnostik.