Führungsverhalten bezeichnet die Gesamtheit der beobachtbaren Handlungen, Kommunikationsmuster und Entscheidungsprozesse, mit denen Führungskräfte Einfluss auf Mitarbeitende, Teams und organisationale Abläufe ausüben. In der Organisations- und Arbeitspsychologie gilt Führungsverhalten als zentraler Faktor für Motivation, Stressregulation, Leistungsfähigkeit, psychische Sicherheit und Teamdynamik. Es umfasst sowohl instrumentelle Verhaltensweisen (z. B. Zielklärung, Aufgabenstrukturierung, Feedback) als auch relationale Komponenten (z. B. Vertrauen, Unterstützung, soziale Präsenz), die zusammen bestimmen, wie Führungssysteme wirken und wie Menschen in belastungsintensiven Arbeitskontexten funktionieren. Forschung zeigt, dass Führungsverhalten stark mit Selbstregulation, Persönlichkeitsmerkmalen, situativen Anforderungen und organisationalen Rahmenbedingungen zusammenhängt – und damit weder rein „angeboren“ noch vollständig erlernbar ist, sondern adaptiv entwickelt wird.
In der modernen Führungsforschung werden mehrere wissenschaftlich etablierte Modelle unterschieden, darunter transformationales Führungsverhalten (Inspiration, Vision, individuelle Unterstützung), transaktionales Führungsverhalten (klare Struktur, Vereinbarung von Leistung und Belohnung), authoritatives bzw. direktives Verhalten, laterales bzw. kooperatives Führungsverhalten sowie servant leadership (dienende, unterstützende Haltung). Diese Modelle beschreiben unterschiedliche Mechanismen, wie Führung Einfluss auf Verhalten, Motivation, Stressphysiologie, Selbstwirksamkeit und Teamkohärenz nimmt.
Führungsverhalten wirkt nachweislich auf:
- psychologische Sicherheit
- Rollen- und Aufgabenverständnis
- Stress- und Belastungserleben
- Leistungsfokus und Entscheidungsqualität
- Teamstimmung, Konfliktdynamiken und Zugehörigkeit
- Fehlerkultur, Lernfähigkeit und Innovationsbereitschaft
Damit steht Führungsverhalten in engem Zusammenhang mit Selbstregulation, Emotionsmanagement, Arousal-Steuerung, Bewältigungsstrategien, Bindungs- und Beziehungsmustern sowie kommunikativem Verhalten. Gutes Führungsverhalten basiert auf der Fähigkeit, eigene Erregungszustände zu regulieren, komplexe soziale Signale korrekt zu interpretieren, Belastungsfaktoren realistisch einzuschätzen und situativ angemessen zu reagieren – ein Kernbereich moderner arbeitspsychologischer Coachingpraxis.

