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Frustessen

Frustessen bezeichnet ein emotionsgesteuertes Essverhalten, bei dem Nahrungsaufnahme genutzt wird, um akute oder chronische negative Emotionen wie Stress, Frustration, Ärger, Einsamkeit oder Überforderung kurzfristig zu dämpfen. In der biopsychologischen Forschung wird dieses Phänomen als emotionales bzw. affektregulatives Essverhalten eingeordnet und ist eng verknüpft mit Stressphysiologie, Belohnungssystem und Impulskontrolle. Studien zeigen, dass negative Affekte die Aktivität des dopaminergen Belohnungssystems erhöhen und gleichzeitig präfrontale Kontrollnetzwerke schwächen, was zu einem impulsiveren Essverhalten und zu einer stärkeren Fokussierung auf hochkalorische, schnell belohnende Lebensmittel führt.

Frustessen entsteht häufig in Situationen, in denen alternative Formen der Stressverarbeitung nicht zugänglich sind, etwa durch Übererregung, reduzierte interozeptive Wahrnehmung, hohe mentale Belastung oder Erschöpfung. Es ist dabei kein pathologisches Konzept, sondern ein funktionales, aber kurzsichtiges Stresskompensationsmuster: Die Nahrungsaufnahme senkt kurzfristig das Stressniveau (u. a. über Insulin, Serotonin und endogene Opioide), verstärkt langfristig jedoch oft Schuldgefühle, Stress oder dysfunktionale Ernährungsgewohnheiten.

In einem Coaching-Kontext kann Frustessen als Hinweis auf Stressmuster, Emotionsregulation, Routinen, Impulskontrolle, Energiebalance und Selbstfürsorge betrachtet werden – ohne diagnostischen oder therapeutischen Anspruch. Entscheidend ist das Verstehen der zugrunde liegenden Mechanismen, nicht die Behandlung des Verhaltens.