Existenzielle Werteorientierung bezeichnet eine psychologisch fundierte Form der persönlichen Ausrichtung, bei der Menschen ihr Denken, Handeln und Entscheiden an grundlegenden, übergeordneten Sinnprinzipien ausrichten. Der Begriff hat Wurzeln in der Humanistischen Psychologie, der Existenzpsychologie (z. B. Viktor Frankl) sowie in modernen Ansätzen der Motivations- und Selbstbestimmungsforschung. Im Unterschied zu kurzfristigen Zielen oder situativen Präferenzen beziehen sich existenzielle Werte auf fundamentale Vorstellungen darüber, was dem eigenen Leben Bedeutung, Richtung und Kohärenz verleiht.
Aus wissenschaftlicher Sicht sind existenzielle Werte eng verbunden mit Konzepten wie dem Kohärenzgefühl (Antonovsky), intrinsischer Motivation, Selbstkongruenz sowie sinnorientierter Entscheidungsfindung. Forschung zeigt, dass ein klarer Sinnbezug die Stressverarbeitung verbessert, Belastbarkeit erhöht, Entscheidungsverhalten stabilisiert und die langfristige Selbstregulation stärkt. Menschen mit ausgeprägter existenzieller Werteorientierung berichten häufig eine höhere psychologische Stabilität, da sie Belastungen in einen übergeordneten Rahmen einordnen können.
Physiologisch wirkt sich eine sinnbezogene Werteorientierung indirekt über reduzierte Stressreaktivität, erhöhte Selbstwirksamkeit und stabilere Erholungsprozesse aus. Neuropsychologisch wird angenommen, dass sinnbezogene Bewertungen präfrontale Kontrollnetzwerke stärken, Bewertungsflexibilität erhöhen und negative affektive Überreaktionen eingrenzen.
Wichtig ist die Abgrenzung zur existenzialpsychologischen oder therapeutischen Existenzanalyse:
Im Coaching-Kontext wird existenzielle Werteorientierung nicht eingesetzt, um tiefenpsychologische Konflikte, Traumata oder klinische Sinnkrisen zu behandeln. Stattdessen dient sie als strukturierende Reflexionshilfe, um Handlungsprioritäten, Entscheidungsklarheit und persönliche Ausrichtung zu verbessern. Es geht um Orientierung, nicht um Behandlung.
Existenzielle Werte orientieren sich häufig an Fragen wie:
- „Was gibt meinem Handeln Bedeutung?“
- „Welche Wirkungen möchte ich langfristig erzeugen?“
- „Welche Prinzipien sollen mein Leben, Arbeiten und Entscheiden formen?“
- „Wie möchte ich mich in herausfordernden Situationen verhalten?“
Sie wirken als innerer Kompass, der besonders unter Stress, Rollenkonflikten oder unsicheren Lebensphasen Stabilität und Richtung stiftet. Damit sind existenzielle Werte ein zentraler Baustein nachhaltiger Selbstführung und psychischer Kohärenz.

