Arousal bezeichnet das neurophysiologische Aktivierungsniveau des zentralen und autonomen Nervensystems, das bestimmt, wie wach, reaktionsbereit und aufmerksam ein Organismus ist. Es entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Systeme: des Retikulären Aktivierungssystems (ARAS) im Hirnstamm, der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse), des Sympathikus- und Parasympathikusanteils des autonomen Nervensystems sowie integrativer Netzwerke im präfrontalen Kortex und der Amygdala. Arousal beeinflusst unmittelbar die Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Emotionsreaktionen, Impulskontrolle, Entscheidungsfähigkeit und motorische Leistungsfähigkeit.
In der Psychologie beschreibt Arousal den Grad innerer Aktivierung zwischen zwei Polen:
- niedriges Arousal: Müdigkeit, geringe Reaktionsfähigkeit, reduziertes Leistungsniveau
- hohes Arousal: erhöhte Wachsamkeit, schnelle Reaktionen, aber auch Risiko von Übererregung
Nach dem Yerkes-Dodson-Gesetz (ein häufig repliziertes Befundmuster) besteht ein umgekehrt U-förmiger Zusammenhang zwischen Aktivierung und Leistung: Sowohl zu niedrige als auch zu hohe Erregung verschlechtern kognitive und motorische Performance, während moderate Aktivierung leistungsoptimierend wirkt.
Physiologisch zeigt sich Arousal über:
- Herzfrequenz, Herzratenvariabilität (HRV)
- Atemfrequenz und Atemtiefe
- Muskeltonus
- Cortisolverläufe
- Pupillenerweiterung
- elektrische Aktivität im Cortex (EEG-Bandmuster)
Psychologisch beeinflusst das Erregungsniveau:
- emotionale Intensität und Reaktivität
- Impulskontrolle
- Stresstoleranz
- Aufmerksamkeitsfokus (breit vs. eng)
- Entscheidungsverhalten (strategisch vs. reaktiv)
Arousal ist nicht per se „gut“ oder „schlecht“, sondern situationsabhängig funktional. Es ermöglicht hohe Leistungsfähigkeit, aber auch defensive Stressreaktionen (Fight, Flight, Freeze, Fawn). Übererregung kann zu Grübeln, Stressverstärkung, Reizüberempfindlichkeit oder kognitiver Einengung führen, während Untererregung Antriebslosigkeit, mangelnde Konzentration und reduzierte Motivation begünstigt.
Für Coaching, Selbstregulation und Leistungsmanagement ist die Kenntnis des eigenen Aktivierungsniveaus zentral, da Arousal ein Kernmechanismus von Emotion, Fokus, Entscheidung und Verhalten ist.

