Ernährungsbewusstsein bezeichnet die Fähigkeit, das eigene Essverhalten, physiologische Signale, emotionale Einflüsse und umweltbedingte Steuerungsfaktoren reflektiert wahrzunehmen und in die persönliche Selbstregulation einzubeziehen. In der Gesundheitspsychologie wird Ernährungsbewusstsein als multidimensionales Konstrukt beschrieben, das kognitive, emotionale, physiologische und verhaltensbezogene Komponenten bündelt. Es umfasst u. a. Wissen über Nährstoffbedarfe, Verständnis biologischer Sättigungs- und Hungerprozesse, den Einfluss des Stresssystems auf Appetitregulation, sowie die Sensibilität für Reize aus Umfeld, Routinen und sozialem Kontext.
Wissenschaftlich gesicherte Forschung zeigt, dass Ernährungsbewusstsein eng verknüpft ist mit Interozeption (Wahrnehmung innerer Körpersignale), Belohnungssystemen (dopaminerge und opioide Regulation), Impulskontrolle, Stressphysiologie (Cortisol, HPA-Achse), sowie kognitiven Bewertungsmustern. Stress, Schlafmangel, emotionale Belastung oder chronische Anspannung können das Essverhalten nachweislich beeinflussen, indem sie Hunger- und Sättigungssignale verändern, Belohnungssensitivität erhöhen oder impulsives Essen begünstigen.
Ernährungsbewusstsein ist nicht identisch mit „Kontrolle“ oder „Disziplin“, sondern ein Selbstregulationsprozess, der darauf abzielt, Ernährung im Einklang mit physiologischen Bedürfnissen, persönlichen Zielen, sozialen Anforderungen und langfristigen Energiezyklen zu gestalten. Es integriert Wissen, Körperwahrnehmung, Entscheidungsmechanismen und Kontextsensibilität. Im Coaching-Kontext können Reflexion und Informationsvermittlung zu mehr Klarheit und Selbstführung beitragen – jedoch ohne diätetische Beratung oder therapeutische Behandlung von Essstörungen.

