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Emotionales Essen

Emotionales Essen bezeichnet das wissenschaftlich gut untersuchte Phänomen, bei dem Nahrungsaufnahme primär zur Regulation von Gefühlen statt zur Befriedigung physiologischer Hungerbedürfnisse genutzt wird. In der Gesundheitspsychologie, Stressforschung und Verhaltenswissenschaft gilt emotionales Essen als erlernte Bewältigungsstrategie, die mit Stressreaktionen, erhöhter emotionaler Aktivierung, verminderter interozeptiver Differenzierung (Hunger/Sättigung) und der Aktivierung des mesolimbischen Belohnungssystems zusammenhängt.

Zentrale Mechanismen umfassen:

  • negative Affektregulation (z. B. Essen bei Stress, Frustration, Einsamkeit),
  • reduzierte interozeptive Wahrnehmung, wodurch physiologische Signale schlechter vom emotionalen Bedarf unterschieden werden,
  • dopaminerg gesteuerte Belohnungsprozesse, die kurzfristige Entlastung erzeugen und das Verhalten verstärken,
  • Stresshormonveränderungen (Cortisol), die insbesondere den Appetit auf energiedichte Lebensmittel erhöhen,
  • gelerntes Assoziationslernen, bei dem Nahrungsaufnahme mit emotionaler Beruhigung verknüpft wird.

Wissenschaftlich wird emotionales Essen nicht als Störung, sondern als funktionale, aber kurzfristige Selbstregulationsform eingeordnet, die unter Belastung, bei chronischem Stress oder eingeschränkter Emotionsregulation häufiger auftritt. Entscheidungen über Nahrung können dadurch stärker von Erregung, Stress oder Bewertungssystemen beeinflusst werden als von biologischen Bedürfnissen.

Im nicht-therapeutischen Kontext (z. B. Coaching) kann das Verständnis emotionalen Essens helfen, Stressmuster, impulsives Essverhalten, Belohnungsprozesse, Erregungsregulation und Aufmerksamkeitsfokusse einzuordnen – ohne Therapie, Diagnose oder Intervention. Fokus liegt sachlich auf Mechanismen, Selbstwahrnehmung und alltagsbezogener Selbstregulation.