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Emotionale Übererregung

Emotionale Übererregung beschreibt einen Zustand erhöhter physiologischer und psychischer Aktivierung, bei dem das autonome Nervensystem – insbesondere Sympathikusaktivität und Stresshormonausschüttung – deutlich über dem regulativen Optimalbereich liegt. Dieser Zustand ist kein klinisches Diagnosemerkmal, sondern ein in der Stressforschung, Emotionspsychologie und affektiven Neurowissenschaft gebräuchliches Beschreibungsmodell. Charakteristisch sind gesteigerte Vigilanz, beschleunigte Atmung, erhöhte Muskelspannung, intensivere Emotionen (z. B. Angst, Wut, Frustration) sowie reduzierte kognitive Flexibilität. Neurowissenschaftliche Befunde zeigen, dass emotionale Übererregung häufig mit verstärkter Amygdala-Reaktivität, eingeschränkter präfrontaler Modulation und einem Dominanzwechsel hin zu schneller, impulsiver Verarbeitung einhergeht.

Der Zustand entsteht häufig durch anhaltende Belastung, akute Stressoren, sozial-emotionale Unsicherheit, Erschöpfung oder situative Reizüberflutung. In der Selbstregulation ist emotionale Übererregung relevant, weil sie die Fähigkeit zur Perspektivübernahme, Problemlösung, Impulskontrolle und Selbstwahrnehmung deutlich reduziert. Auch körperliche Prozesse – Herzfrequenz, Atmung, Cortisol, muskulärer Tonus – verschieben sich in Richtung eines Überreaktivitätsmusters.

Im nicht-klinischen Coaching-Kontext beschreibt emotionale Übererregung eine dysfunktionale Aktivierungsdynamik, die zwar biologisch sinnvoll ist (Bedrohungsalarm, Energiemobilisierung), aber in komplexen Alltags- oder Arbeitssituationen zu Fehlentscheidungen, sozialem Rückzug, Konflikteskalation oder Erschöpfung führen kann. Der Begriff hilft, Stressreaktionen zu verstehen und deren physiologische Grundlagen einzuordnen – ohne therapeutische Diagnosen oder Interventionen.