Emotionale Ressourcen bezeichnen die Gesamtheit jener inneren Fähigkeiten, Prozesse und verfügbaren energetischen Zustände, die es einer Person ermöglichen, Emotionen zu erkennen, zu regulieren, zu integrieren und konstruktiv in Handlungen umzusetzen. In der psychologischen Forschung umfassen emotionale Ressourcen sowohl intraindividuelle Kompetenzen (z. B. Emotionsregulation, Stressverarbeitung, Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, Stimmungslage) als auch interpersonelle Faktoren (z. B. soziale Unterstützung, Bindungssicherheit, Beziehungskompetenzen).
Aus biopsychologischer Perspektive beruhen emotionale Ressourcen auf dem Zusammenspiel von präfrontalen Kontrollsystemen, limbischer Aktivität, autonomer Regulation und neuroendokrinen Stressmechanismen. Eine gut ausgebildete Fähigkeit, emotionale Reize zu verarbeiten (emotionale Differenzierung, Reframing, kognitive Neubewertung), erhöht den Zugang zu diesen Ressourcen. Ebenso wirken Körperwahrnehmung (Interozeption), Erholungsfähigkeit, Schlafqualität und physiologische Selbstregulation als wesentliche Grundlagen emotionaler Kapazitäten.
Emotionale Ressourcen beeinflussen direkt die Belastungsstabilität, die Beziehungsqualität, die Selbstregulation, die Entscheidungsfähigkeit und das Leistungserleben. Menschen mit höheren emotionalen Ressourcen können Stresssignale früher erkennen, belastende Emotionen besser einordnen und unter Druck flexibler reagieren. Sie zeigen zudem eine stabilere Aktivierungskurve, mehr kognitive Flexibilität und eine geringere Stressanfälligkeit.
In Coaching- und Entwicklungsprozessen (nicht therapeutisch) dienen emotionale Ressourcen als Grundlage für Selbstführung, weil sie bestimmen, wie gut eine Person mit Herausforderungen, Ambivalenzen und sozialen Spannungen umgehen kann. Es geht nicht darum, Emotionen zu vermeiden oder positiv zu überdecken, sondern darum, Funktionslogiken zu verstehen und realistische Kapazitäten für emotionale Verarbeitung aufzubauen.

