Emotionale Erschöpfung bezeichnet einen Zustand tiefgehender psychischer, emotionaler und häufig auch körperlicher Erschöpfung, der entsteht, wenn Anforderungen langfristig die verfügbaren emotionalen und selbstregulatorischen Ressourcen übersteigen. In der Gesundheits- und Arbeitspsychologie gilt emotionale Erschöpfung als ein zentraler Marker für chronische Belastungsreaktionen und ist der am besten validierte Kernfaktor im wissenschaftlichen Burnout-Modell (Maslach & Jackson; zahlreiche Replikationen). Sie äußert sich in anhaltender innerer Leere, reduzierter emotionaler Belastbarkeit, erhöhter Reizempfindlichkeit und einer deutlichen Abnahme von Motivation, Empathie und kognitiver Flexibilität.
Physiologisch ist emotionale Erschöpfung häufig mit einer dysregulierten Stressphysiologie verbunden – etwa veränderten Cortisolrhythmen, erhöhter sympathischer Aktivierung, reduzierter stressbezogener Erholungsfähigkeit und beeinträchtigter frontaler exekutiver Kontrolle. Psychologisch zeigt sich eine eingeschränkte Fähigkeit zur Emotionsregulation, verringerte Selbstwirksamkeit und ein starker Rückgang positiver Affektzustände. Unter chronischer Belastung kann emotionale Erschöpfung die Wahrnehmung verzerren, Entscheidungsprozesse verengen und die Widerstandsfähigkeit gegenüber alltäglichen sozialen, beruflichen oder privaten Belastungen erheblich reduzieren.
Emotionale Erschöpfung entsteht nicht durch „Schwäche“, sondern durch anhaltende Diskrepanzen zwischen Anforderungen und Ressourcen, durch dauerhaften Stress, mangelnde Regeneration, wiederholte emotionale Anforderungen (z. B. „emotional labour“) oder eine länger bestehende Übererregung ohne Ausgleich. Sie ist ein zentraler Bestandteil regulativer Systeme, da der Organismus versucht, sich vor weiterer Überlastung zu schützen, indem er emotionale Verfügbarkeit reduziert.
Eine klinische Diagnose wird hier ausdrücklich nicht gestellt; die Darstellung beschreibt wissenschaftliche Mechanismen, die unabhängig von krankheitsbezogenen Konzepten relevant sind und im Coaching-Kontext zur Erklärung von Belastungsmustern und Selbstregulationsgrenzen genutzt werden können.

