Emotionale Dissoziation bezeichnet einen psychologischen Prozess, bei dem die Wahrnehmung, Verarbeitung oder das Erleben von Emotionen teilweise oder vorübergehend vom bewussten Erleben abgetrennt wird. Sie entsteht typischerweise unter hoher Belastung, akuter Übererregung oder anhaltendem Stress und gilt als kurzfristig funktionaler Schutzmechanismus, der Überforderung verhindern soll. Neurowissenschaftlich wird emotionale Dissoziation mit veränderter Aktivität in der Amygdala–Präfrontal-Achse, einer Dämpfung limbischer Reaktionen und einer verstärkten präfrontalen Kontroll- bzw. Abschaltreaktion in Verbindung gebracht. In der Stresstheorie wird sie als Ausdruck eines überlasteten autonomen Nervensystems verstanden, das zwischen Hyper- und Hypoarousal schwankt. Emotional dissoziierte Zustände können sich als „Gefühlstaubheit“, Abgespaltenheit, innere Leere oder eingeschränkte emotionale Resonanz zeigen und beeinflussen sowohl Selbstwahrnehmung als auch soziale Interaktion. Wichtig ist die klare Abgrenzung: In Coaching und Selbstregulation wird nicht diagnostisch gearbeitet, sondern funktional erklärt, wie Stress, Erregungsniveau und kognitive Schutzmechanismen emotionalen Zugang zeitweise verändern.

