A) Klinisch-traumabezogene Definition (für fachliche Einordnung, nicht für Coaching-Anwendung)
Hinweis: Diese Definition dient ausschließlich der begrifflichen Orientierung — nicht der Anwendung im Coaching, nicht der Diagnostik und nicht der Therapie.
In klinischen und traumafokussierten Kontexten bezeichnet Emotional Blurring eine Form der affektiven Abflachung, Unspezifität oder Verwischung emotionaler Signale, wie sie bei bestimmten psychischen Störungsbildern auftreten kann. Der Begriff beschreibt dabei verminderte emotionale Klarheit, erschwerte Unterscheidung zwischen Gefühlen sowie eine reduzierte präfrontale und limbische Differenzierungsfähigkeit, wie sie u. a. im Rahmen von traumabezogenen Dissoziationen, depressiven Zuständen oder anhaltender Übererregung auftreten kann. Charakteristisch sind eingeschränkte Wahrnehmung, Benennung und Zuordnung eigener Gefühle, häufig begleitet von einem Schutzmechanismus des Nervensystems, das Überwältigung reduziert, aber gleichzeitig zu emotionaler Unspezifität führt.
→ Diese klinische Bedeutung gehört ausschließlich in Psychotherapie, Psychiatrie und Traumafachbereiche.
B) Wissenschaftlich-sachliche, nicht-diagnostische Definition für Coaching, Training & Stresspsychologie
Im nicht-klinischen, wissenschaftlich orientierten Coaching-Kontext bezeichnet Emotional Blurring die verminderte Klarheit, Differenzierung und Strukturierung eigener Gefühle unter Stress-, Belastungs- oder Überforderungsbedingungen. Es handelt sich um ein alltagspsychologisches Phänomen, bei dem mehrere Emotionen gleichzeitig auftreten, sich überlagern oder nicht sauber eingeordnet werden können. Stressforschung und Emotionspsychologie zeigen, dass hohe Aktivierung, Erschöpfung, Grübelprozesse und soziale Anspannung die Fähigkeit einschränken, emotionale Signale präzise wahrzunehmen, zu benennen und mit passenden Regulierungsschritten zu verbinden.
Dieses Phänomen beruht u. a. auf:
- reduzierter Interozeption (körperliche Signale werden weniger klar wahrgenommen)
- erhöhter kognitiver Belastung (präfrontale Kapazitäten sind eingeschränkt)
- verstärkter limbischer Aktivität (Emotionen überlagern sich stärker)
- eingeschränkter Bewertungsflexibilität
Emotional Blurring ist kein Symptom einer Störung, sondern ein stressbedingter Regulationsverlust, der bei vielen Menschen in anspruchsvollen Situationen auftritt und sich durch Erholung, Achtsamkeit, Schlaf, körperliche Regulation und kognitive Entlastung gut beeinflussen lässt.
