Dysfunktionale Muster bezeichnen wiederkehrende Denk-, Emotions-, Körper- oder Verhaltenssequenzen, die kurzfristig entlastend wirken können, langfristig jedoch zu Stress, Selbstüberforderung oder eingeschränkter Handlungsflexibilität führen. In der psychologischen Forschung werden solche Muster als gelernte, kontextabhängige Regulationsstrategien verstanden, die in früheren Situationen funktional waren, sich jedoch in neuen Kontexten als hinderlich erweisen. Dazu zählen beispielsweise rigide Kontrollstrategien, Vermeidung, Überanpassung, übermäßige Leistungsorientierung, Selbstkritik oder impulsive Stressreaktionen.
Biologisch betrachtet entstehen dysfunktionale Muster häufig aus der Kopplung zwischen autonomen Stressreaktionen, Gedächtnissystemen (insbesondere Amygdala-basierte Emotionserinnerungen) und exekutiven Steuerungsprozessen im präfrontalen Cortex. Stress erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen automatisierte Muster aktivieren, da diese energetisch sparsame und schnell abrufbare Reaktionsweisen darstellen. In Belastungskontexten verschiebt sich die Informationsverarbeitung stärker hin zu Gewohnheitsnetzwerken (Basalganglien), wodurch Flexibilität und kognitive Kontrolle abnehmen.
Aus motivationspsychologischer Sicht sind dysfunktionale Muster oft Ausdruck ungünstiger Selbstregulationsstile, etwa mangelnder Ambivalenztoleranz, instabiler Selbstwertregulation oder fehlender Alternativstrategien. Sozialpsychologisch entstehen sie häufig durch erlernte Rollen, implizite Erwartungen oder Bindungserfahrungen, die bestimmte Reaktionen überprägen. In der Stressforschung gelten dysfunktionale Muster als Faktoren, die Erholung behindern, Belastungsstabilität reduzieren und langfristig zur Erschöpfung beitragen können.
In Coaching-Kontexten werden dysfunktionale Muster nicht als Störung, sondern als erlernte, überverallgemeinerte Lösungsversuche betrachtet. Ziel ist nicht therapeutische Veränderung, sondern Bewusstmachung, Kontextklärung und Erweiterung der Handlungsoptionen.

