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Dissoziationen

Dissoziation bezeichnet in der Psychologie und Neurowissenschaft ein vorübergehendes Auseinanderfallen sonst integrierter Wahrnehmungs-, Gedächtnis-, Körper-, Emotions- oder Selbstprozesse. Sie entsteht typischerweise in Situationen erhöhter Belastung, starker Übererregung oder bei stark beanspruchten Aufmerksamkeits- und Stressregulationssystemen. Dissoziative Phänomene reichen von alltäglichen, harmlosen Aufmerksamkeitsverschiebungen (z. B. „gedanklich wegdriften“) bis zu intensiven Zuständen eingeschränkter Selbst-, Körper- oder Umgebungserfahrung.

Wissenschaftlich betrachtet stehen Dissoziationen im Zusammenhang mit:

  • Überaktivierung der Stresssysteme (HPA-Achse, autonomes Nervensystem)
  • Veränderter präfrontaler Kontrolle (Abschalten höherer Integration zugunsten „Notfallmodus“)
  • Modulierter Amygdala- und Periaquäduktales Grau-Aktivität
  • veränderten Netzwerken im Default Mode Network (DMN)
  • Abkopplung zwischen Interozeption, Emotion und Kognition

Dissoziation ist damit keine einheitliche Störung, sondern ein neurowissenschaftlich erklärbarer Schutz- und Notfallmechanismus, der kurzfristig die Reizüberflutung reduziert und die psychophysiologische Belastung dämpft.

In Coaching-Kontexten ist wichtig:

  • Es werden keine dissoziativen Störungen analysiert oder behandelt.
  • Wohlbefindensorientiertes Coaching arbeitet höchstens mit der Reflexion von Belastungsgrenzen, Wahrnehmungsprozessen und Stressmustern — keine Trauma- oder Klinikarbeit.
  • Dissoziative Alltagserfahrungen (z. B. „abschalten“, „funktionieren ohne Gefühl“, „wie auf Autopilot“) können Hinweise auf Überlastung sein, die in Coaching als Regulations- oder Ressourcenhinweis betrachtet werden, nicht als Diagnose.

Typische wissenschaftlich beschriebene Erscheinungsformen:

  • Perzeptive Dissoziation: veränderte Wahrnehmungsintensität, Depersonalisation/„Unwirklichkeitsgefühl“
  • Kognitive Dissoziation: Abschalten, Tunnelblick, eingeschränkte Erinnerung
  • Emotionale Dissoziation: abgedämpfte Gefühle, „Gefühllosigkeit“ bei hoher Erregung
  • Somatische Dissoziation: verringerte Körperwahrnehmung, Unterbrechen interozeptiver Signale

Neurobiologisch wird angenommen, dass Dissoziationen entstehen, wenn die Erregung zu hoch, die prefrontale Hemmung zu stark oder der Organismus in einen „Freeze-ähnlichen“ Energiespar- bzw. Schutzmodus übergeht.