Depersonalisierung beschreibt ein psychologisches Phänomen, bei dem das eigene Erleben als unwirklich, fremd oder distanziert wahrgenommen wird. Menschen berichten in solchen Zuständen häufig, sich „wie neben sich“ zu fühlen oder eigene Emotionen, Gedanken und Handlungen nur abgeschwächt oder wie aus der Beobachterperspektive wahrzunehmen. In der Stress-, Neuro- und Emotionsforschung gilt Depersonalisierung als Reaktionsmodus des Nervensystems, der in Phasen hoher Belastung, Überforderung oder chronischer Stressaktivierung auftreten kann. Sie entsteht typischerweise durch erhöhte autonome Aktivierung, veränderte Vernetzung zwischen präfrontalen Kontrollnetzwerken und limbischen Systemen sowie durch eingeschränkte interozeptive Wahrnehmung.
Distanzierung wiederum bezeichnet eine abgeschwächte, aber funktional ähnliche Reaktion: eine innere Abkopplung oder emotionale Verflachung, die als Schutz vor Überlastung dienen kann. Während Depersonalisierung ein intensiver, subjektiv irritierender Zustand ist, äußert sich Distanzierung häufig in emotionalem Rückzug, verringerter Empathie oder einer reduzierten Einbindung in soziale Interaktionen. Beide Reaktionsformen sind eng mit Stressphysiologie, Erschöpfung, Schlafmangel, hoher emotionaler Dauerbelastung und Überaktivierung des Bedrohungssystems verknüpft.
In Coaching-Kontexten wird Depersonalisierung nicht diagnostiziert oder therapeutisch bearbeitet, jedoch können klientenseitige Beschreibungen von „innerer Leere“, „Abschalten“ oder „funktionalem Modus“ als Hinweis auf Überlastungsprozesse verstanden und regulativ eingeordnet werden. Die wissenschaftliche Perspektive betont, dass solche Zustände Ausdruck eines überlasteten, nicht eines „defekten“ Systems sind und durch Erholung, Reduktion von Stressoren und verbesserte Selbstregulation in der Regel abklingen.

