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Default Mode Network (DMN)

Das Default Mode Network (DMN) bezeichnet ein großräumiges funktionelles Gehirnnetzwerk, das vor allem während Ruhezuständen, bei Tagträumen, bei Selbstreflexion, beim Mentalisieren sowie bei autobiografischem Denken aktiv ist. Es umfasst primär den medialen präfrontalen Cortex (mPFC), den posterioren cingulären Cortex (PCC), den Precuneus, Teile des inferioren Parietallappens, den medialen Temporallappen und den Hippocampus. Neurowissenschaftlich gilt das DMN als zentrale Struktur für Selbstreferenz, Identitätsprozesse, innere Erzählungen, Zukunftssimulation, Vergangenheitsverarbeitung und soziale Kognition.

Das DMN zeigt eine charakteristische Aktivierung, wenn Menschen nicht auf eine konkrete Außenaufgabe fokussiert sind, sondern „nach innen gehen“. Studien belegen, dass es aktiv wird, wenn das Gehirn Bedeutungen konstruiert, mentale Szenarien durchspielt oder Emotionen mit dem Selbstbild verknüpft. Gleichzeitig lässt seine Aktivität nach, wenn das exekutive Netzwerk oder das salienzorientierte Netzwerk hochgefahren werden – etwa bei intensiver Konzentration, akuten Stressreaktionen oder körperlicher Aktivierung.

Im Kontext von Stress, Erholung, kognitiver Belastung und emotionaler Regulation spielt das DMN eine bedeutende Rolle. Übermäßige DMN-Aktivität wird mit Rumination, Grübeln, stressgetriebener Selbstfokussierung, verstärkten Angstprozessen und einer erhöhten Stresssensitivität in Verbindung gebracht. Umgekehrt ist eine modulierte, flexible DMN-Aktivität mit Selbstklarheit, Emotionsregulation, adaptiver Selbstreflexion und gesunder mentaler Erholung verbunden. Eine gute Balance zwischen DMN und exekutiven Netzwerken gilt als neuropsychologische Grundlage für Selbstführung, kognitive Flexibilität und Belastungsstabilität.

Das DMN ist somit kein „Ruhemodus“ im klassischen Sinne, sondern ein aktives, energieintensives Netzwerk, das zentrale psychologische Kernfunktionen steuert. In Coaching, Selbstregulation und Persönlichkeitsentwicklung wird es relevant, weil es erklärt, warum Grübeln, Selbstzweifel, innere Erzählmuster und Identitätskonflikte entstehen und wie mentale Regulation neuropsychologisch unterstützt werden kann — ohne therapeutische Intervention.