Craving bezeichnet ein starkes, aufdringliches und schwer zu unterdrückendes Verlangen nach einer Substanz oder einem Verhalten, das typischerweise mit dem Belohnungssystem des Gehirns verbunden ist. Neurowissenschaftlich entsteht Craving vor allem durch die Aktivierung dopaminerger Signalwege im mesolimbischen System, insbesondere im Nucleus accumbens, und wird zusätzlich durch Gedächtnisspuren, situative Reize (Cues) und emotionale Zustände moduliert. Unter Stress verstärkt sich Craving messbar, da Stresshormone (z. B. Cortisol) die Sensitivität des Belohnungssystems erhöhen und gleichzeitig präfrontale Kontrollfunktionen schwächen. Psychologisch ist Craving ein Zusammenspiel aus automatisierten Antrieben, Erwartungslernen, emotionaler Regulation und situativer Bewertung. Es tritt nicht nur bei Substanzen wie Alkohol, Nikotin oder Zucker auf, sondern auch bei Verhaltensweisen, die kurzfristig Entlastung oder Belohnung erzeugen (z. B. Essen, digitale Mediennutzung, Glücksspiel). Obwohl Craving in klinischen Kontexten ein diagnostisches Kriterium für Suchterkrankungen sein kann, wird der Begriff im Coaching rein nicht-therapeutisch genutzt, um stressbedingte Impulse, Gewohnheiten und Verlangen wissenschaftlich einzuordnen — ohne pathologische Bewertung.

