Copingstrategien bezeichnen alle kognitiven, emotionalen, physiologischen und verhaltensbezogenen Prozesse, mit denen Menschen auf Belastungen, Unsicherheit oder Stress reagieren. In der Stress- und Gesundheitspsychologie gelten Copingstrategien als zentrale Mechanismen, über die das Gehirn Bedrohungen bewertet, Handlungsoptionen wählt und körperliche Stressreaktionen moduliert. Dabei greifen Menschen auf Ressourcen aus verschiedenen Ebenen zurück: kognitive Bewertungssysteme (Präfrontaler Kortex), emotionale Netzwerke (Amygdala, limbisches System), soziale Unterstützungssysteme und physiologische Regulation (autonomes Nervensystem, HPA-Achse).
Coping umfasst zwei Hauptkategorien, die in der Forschung vielfach repliziert wurden:
- Problemorientiertes Coping – aktive Bewältigung durch Analyse, Planung, Priorisierung, Informationssuche oder direkte Handlung.
- Emotionsorientiertes Coping – Regulierung emotionaler Reaktionen durch Akzeptanz, Neubewertung, Emotionsregulation, Distanzierung oder soziale Unterstützung.
Ergänzend werden auch dysfunktionale Copingstrategien beschrieben, die kurzfristig Erleichterung bringen, langfristig jedoch Belastung erhöhen können, z. B. Vermeidung, Impulshandlungen, exzessiver Konsum, Rückzug oder Grübeln. Welche Strategie gewählt wird, hängt stark ab von: individueller Erregungslage, Persönlichkeitsmerkmalen, erlernten Mustern, sozialen Bedingungen, Selbstwirksamkeit und interozeptiver Wahrnehmung.
Physiologisch beeinflussen Copingstrategien die Aktivität des Sympathikus, den Cortisolverlauf, die Herzratenvariabilität und damit die körperliche Belastungsreaktion. Psychologisch modulieren sie Aufmerksamkeit, Bewertung, Entscheidungsfähigkeit und langfristige Resilienz. Nachhaltiges Coping basiert auf flexiblen, situationsangepassten Strategien statt auf einem starren Muster — ein gut etablierter Befund der modernen Stressforschung.

