Coaching nach Persönlichkeitspsychologie bezeichnet einen Ansatz, der individuelle Unterschiede in Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern systematisch berücksichtigt, um Selbstregulation, Entscheidungsverhalten, Stressverarbeitung und Leistungsfähigkeit evidenzbasiert zu unterstützen. Die Persönlichkeitspsychologie untersucht stabile Merkmale wie Temperament, Bedürfnisse, Werthaltungen, emotionale Reaktivität, Kontrollstile und soziale Präferenzen. Im Coaching-Kontext werden diese Merkmale nicht diagnostisch, sondern funktional analysiert: Sie dienen dazu zu verstehen, wie Menschen in Belastungssituationen reagieren, welche Stressmuster aktiv werden und welche Art von Selbstführung am besten zu ihrer dispositionalen Struktur passt.
Zentrale wissenschaftliche Modelle, die als Orientierungsrahmen dienen, sind u. a.:
- Big Five / Fünf-Faktoren-Modell (emotionale Stabilität, Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit) – gut replizierbare Basisstruktur menschlicher Persönlichkeit.
- Selbstkonzept- und Selbstwertforschung – wie Menschen sich selbst einschätzen und bewerten.
- Motivations- und Bedürfnisforschung (z. B. Leistung, Anschluss, Macht; Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit) – Einfluss auf Verhalten, Stressreaktion und Zielverfolgung.
- Handlungs- vs. Lageorientierung – Steuerungsstile unter Belastung.
- Impulsivität & inhibitorische Kontrolle – neuropsychologische Grundlagen von Selbstregulation.
- Affektlabilität, Reaktivität, Arousal – physiologische Unterschiede der Stressverarbeitung.
Coaching nach Persönlichkeitspsychologie ermöglicht dadurch eine differenzierte Betrachtung:
- Warum Menschen auf Stress unterschiedlich reagieren
- Welche Muster bei Belastung dominieren (z. B. Rückzug, Überkontrolle, Perfektionismus)
- Welche Regulationsstrategien individuell stimmig sind
- Wie Ziele an persönliche Stärken und Temperament angepasst werden können
- Welche sozialen Dynamiken aufgrund von Persönlichkeitsmerkmalen entstehen
- Wie Gewohnheiten, Emotionen und Kognitionen miteinander verzahnt sind
Wichtig ist: Dieses Vorgehen ersetzt keine Diagnostik und keine Therapie, sondern nutzt wissenschaftliche Erkenntnisse, um individuelle Selbstführung, Stressstabilität und Leistungsfähigkeit konstruktiv zu unterstützen.

