Stress – Schlaf – Schmerzen – Stoffwechsel – Sport – Sozialität – Sucht – Selbst

Chronostress

Chronostress bezeichnet die Belastung, die entsteht, wenn der biologische circadiane Rhythmus und der externe Tagesablauf eines Menschen dauerhaft nicht übereinstimmen. Dieser Misalignment-Effekt ist in Chronobiologie, Schlafforschung und Stressphysiologie umfassend beschrieben. Typische Ursachen sind unregelmäßige Arbeitszeiten, Schichtarbeit, spätes Licht, ständige Erreichbarkeit, Jetlag, Schlafmangel, sozialer Jetlag, aber auch digitale Nutzung in der Nacht. Chronostress führt zu einer Dysregulation zentraler Zeitgeber-Systeme, insbesondere des suprachiasmatischen Nukleus (SCN), und beeinträchtigt neuroendokrine Prozesse, Schlafarchitektur, Stoffwechsel, Immunfunktion und kognitive Leistungsfähigkeit.

Physiologisch zeigt sich Chronostress u. a. durch gestörte Cortisol-Rhythmen, reduzierte Melatoninproduktion, instabile Temperaturzyklen, erhöhte sympathische Aktivität und verringerte Regenerationsfähigkeit. Psychologisch wirkt Chronostress auf Aufmerksamkeit, Stimmung, Impulskontrolle und Emotionsregulation, da circadiane Prozesse eng mit frontaler Kontrolle und limbischer Reaktivität verknüpft sind. Langfristig kann eine wiederholte circadiane Fehlanpassung das Risiko für Erschöpfung, metabolische Dysregulation, Schlafstörungen und erhöhte Stresssensitivität steigern (ohne therapeutischen Anspruch).

Im Coaching-Kontext ist Chronostress relevant, weil er grundlegende Selbstregulationsmechanismen beeinflusst: Konzentration, Belastungsfähigkeit, emotionale Stabilität, Entscheidungsverhalten, Energiemanagement und Erholungsprozesse. Die Reflexion von Rhythmen, Routinen und Belastungsquellen schafft Orientierung und ermöglicht eine bessere Passung zwischen circadianen Bedürfnissen und Alltagsanforderungen – ohne klinische Diagnostik.