A) Klinisch-medizinischer Kontext (zur Einordnung, nicht zur Anwendung im Coaching)
In der Medizin gilt akuter Schmerz als ein zeitlich begrenzter, direkt an eine Gewebeschädigung oder akute Belastung geknüpfter Schutzmechanismus. Er entsteht durch die Aktivierung peripherer Nozizeptoren, die Signale über das Rückenmark an thalamische und kortikale Netzwerke weiterleiten. Akuter Schmerz erfüllt eine biologische Warnfunktion und geht in der Regel zurück, sobald der auslösende Reiz oder die Gewebheilung abgeschlossen ist.
Chronischer Schmerz wird klinisch als Schmerz definiert, der länger als 3–6 Monate anhält oder über die erwartbare Heilungsdauer eines Gewebeschadens hinaus bestehen bleibt. Hier spielen zentrale Sensitivierungsprozesse, neuroplastische Veränderungen und eine veränderte Top-down-Modulation eine Rolle. Chronischer Schmerz gilt in vielen Klassifikationen als eigenständiges biopsychosoziales Phänomen, nicht mehr ausschließlich als Symptom. Dies umfasst veränderte Interozeption, dysregulierte Schmerzhemmung, Übererregung des Stresssystems sowie veränderte Erwartungs- und Bewertungsprozesse.
(Dieser Abschnitt dient der Abgrenzung — keine therapeutische Bewertung oder Anwendung.)
B) Psychologisch-wissenschaftliche, nicht-diagnostische Definition (Coaching-geeignet, sachlich, evidenzorientiert)
Akuter Schmerz beschreibt eine kurzfristige, unmittelbare sensorische und emotionale Reaktion, die das Nervensystem aktiviert, um Aufmerksamkeit, Schutzverhalten und situative Anpassung zu gewährleisten. Er ist eng an Nozizeption, autonome Erregung, Muskeltonusveränderungen und kognitive Fokussierung gekoppelt. Akuter Schmerz steigert in der Regel die Handlungsbereitschaft und dient als Signal, Ressourcen zu mobilisieren oder potenzielle Gefahren zu meiden.
Chronischer Schmerz beschreibt dagegen ein anpassungsbezogen verändertes Schmerzerleben, bei dem das Nervensystem empfindlicher reagiert, selbst wenn die ursprüngliche Ursache nicht mehr im Vordergrund steht. Neuropsychologische Forschung zeigt, dass chronischer Schmerz häufig mit zentraler Sensibilisierung, veränderter Stressphysiologie, dysregulierter emotionaler Verarbeitung, erhöhter Wachsamkeit und persistierenden Bewertungsprozessen einhergeht. Dabei werden Schmerzsignale stärker wahrgenommen, weniger effektiv gehemmt oder durch emotionale, soziale und kognitive Faktoren verstärkt.
Im Coaching-Kontext wird nicht mit Diagnosen gearbeitet. Relevant ist hier ausschließlich die evidenzbasierte Einordnung, dass Schmerz immer ein biopsychosoziales Gesamterlebnis darstellt, beeinflusst durch Aufmerksamkeit, Stress, Erwartungen, Körperwahrnehmung, Aktivierungsniveau und Verhalten. Coaching kann diese Prozesse reflektieren, aber keine medizinische oder therapeutische Schmerzbehandlung ersetzen.

