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Bewusstsein

Bewusstsein bezeichnet in der Psychologie und Neurowissenschaft die Fähigkeit, innere Zustände und äußere Reize wahrzunehmen, zu verarbeiten und mental zu repräsentieren. Es umfasst sowohl die unmittelbare phänomenale Erfahrung (das subjektive Erleben eines Gedankens, Gefühls oder Körperzustands) als auch das reflexive Bewusstsein (die Fähigkeit, über diese Erfahrung nachzudenken und sie sprachlich oder kognitiv einzuordnen). Damit verbindet Bewusstsein Informationsverarbeitung, Selbstwahrnehmung, Aufmerksamkeit und neurobiologische Aktivierung zu einer integrierten, subjektiv erlebbaren Einheit.

Neurophysiologisch entsteht Bewusstsein durch das Zusammenspiel großer neuronaler Netzwerke. Die Forschung verweist insbesondere auf die Bedeutung von:

  • Thalamo-kortikalen Schleifen (Integration sensorischer Signale mit kognitiven Prozessen),
  • präfrontalen und parietalen Netzwerken (Arbeitsgedächtnis, kognitive Kontrolle, Selbstreflexion),
  • Default Mode Network (DMN) (Selbstbezug, autobiografische Verarbeitung, mentale Simulation),
  • Salienz-Netzwerk (Reizbedeutung, Priorisierung, Übergang zwischen innerem und äußerem Fokus).

Aus stress- und gesundheitspsychologischer Perspektive ist Bewusstsein ein zentraler Regulator für Selbstführung und Belastungsverarbeitung. Stress reduziert häufig metakognitive Kapazitäten, verengt Aufmerksamkeit und verschiebt Informationsfilter zugunsten bedrohungsrelevanter Signale. Dadurch verändert sich das bewusste Erleben und führt zu Mustern wie Grübeln, Übererregung oder dysfunktionaler Bewertung. Verbesserte Bewusstheit – etwa durch Achtsamkeit, interozeptive Schulung oder reflektierte Aufmerksamkeitssteuerung – erhöht die Regulationsfähigkeit, stärkt Selbstwirksamkeit und fördert adaptive Verhaltensentscheidungen.

Bewusstsein ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess, der sich je nach Aktivierungsniveau, Kontext, Emotion, Motivation und kognitiver Kapazität verändert. Es bildet die Grundlage für Selbstregulation, Identität, Werteorientierung, kommunikative Präsenz und soziale Interaktion – und ist damit ein Kernbegriff in Coaching, Stressforschung, Selbstführungspsychologie und moderner Gesundheitswissenschaft.