Ausgleichserleben bezeichnet den subjektiven Zustand innerer Balance, der entsteht, wenn körperliche, emotionale, kognitive und soziale Anforderungen durch regulierende Aktivitäten wieder in ein funktionales Gleichgewicht gebracht werden. In der biopsychologischen Forschung wird Ausgleichserleben als Marker regulierter Stressphysiologie verstanden: Das autonome Nervensystem bewegt sich zurück in Richtung parasympathischer Dominanz, muskuläre Spannung sinkt, die Herzratenvariabilität steigt und präfrontale Kontrollnetzwerke stabilisieren sich wieder. Psychologisch ist Ausgleichserleben eng mit emotionaler Klarheit, reduzierter Reizüberflutung, verbesserter Aufmerksamkeitssteuerung und realistischeren Bewertungen verbunden. Es beschreibt keinen Zustand permanenter Entspannung, sondern eine adaptive Balance zwischen Anforderung und Erholung.
Auf neurophysiologischer Ebene entsteht Ausgleichserleben, wenn Stressoren nicht mehr dominieren, sondern durch Bewegung, soziale Unterstützung, Körperwahrnehmung, kognitive Distanzierung oder achtsamkeitsbasierte Regulation abgefedert werden. Diese Mechanismen aktivieren messbare Erholungsprozesse: niedrigere Cortisolausschüttung, regulierte Amygdala-Aktivität, erhöhte vagale Regulation sowie eine Verbesserung exekutiver Funktionen. Damit ist Ausgleichserleben ein Kernprinzip nachhaltiger Selbstführung, da es langfristige Belastbarkeit, Motivation, Selbstbehauptungsfähigkeit und Entscheidungsqualität unterstützt. Unter chronischer Überlastung bleibt Ausgleichserleben häufig aus, was zu emotionaler Erschöpfung, Impulsivität oder Leistungseinbußen führen kann.

