Aufmerksamkeitsverengung bezeichnet einen Zustand, in dem sich die kognitive und sensorische Aufmerksamkeit stark auf wenige Reize, Gedanken oder Handlungsoptionen konzentriert, während periphere Informationen ausgeblendet werden. Dieser Prozess ist neurobiologisch gut belegt und entsteht typischerweise unter erhöhter Erregung (Arousal), Stress oder wahrgenommener Bedrohung. Er wird durch die Aktivierung limbischer Systeme (v. a. Amygdala) und stressbezogener Netzwerke ausgelöst, während präfrontale Funktionen für kognitive Flexibilität, Perspektivwechsel und Integration zeitweise eingeschränkt sind.
Evolutionär erfüllt Aufmerksamkeitsverengung eine Schutz- und Effizienzfunktion: In Gefahrensituationen ermöglicht sie schnelle Reaktionen, fokussierte Handlungsimpulse und Priorisierung. Psychologisch zeigt sie sich als Tunnelblick, Fixierung auf Risiken, Fehler oder dominante Gedanken; physiologisch als erhöhte sympathische Aktivierung, beschleunigte Atmung, erhöhter Muskeltonus und veränderte Pupillenreaktion. Unter akutem Stress kann dies leistungsfördernd sein; unter chronischer Belastung jedoch reduziert die Verengung Problemlösefähigkeit, Entscheidungsqualität und Lernbereitschaft.
Kognitiv geht Aufmerksamkeitsverengung häufig mit perseverativem Denken (z. B. Grübeln), erhöhter Bedrohungsfokussierung, selektiver Wahrnehmung bestätigender Hinweise (Bestätigungsbias) und einer Abnahme von Metakognition einher. In sozialen Kontexten kann sie die Wahrnehmung von Beziehungssignalen verzerren (z. B. Übergewichtung kritischer Hinweise). Wichtig ist: Aufmerksamkeitsverengung ist kein Defizit, sondern ein kontextabhängiger Regulationsmodus des Nervensystems.
Im Coaching wird Aufmerksamkeitsverengung nicht diagnostisch bewertet. Sie dient als Erklärungsrahmen, um Stressreaktionen, Entscheidungsblockaden oder Leistungsabfälle zu verstehen und Aufmerksamkeitsflexibilität (Weiten/Engen je nach Kontext) zu fördern. Ziel ist die situationsangemessene Steuerung von Fokus und Wahrnehmung – nicht das Eliminieren fokussierter Zustände.

