Der auditorische Brainwave-Entrainment-Effekt bezeichnet den neurophysiologischen Prozess, bei dem sich elektrische Hirnaktivität durch rhythmische akustische Stimuli an äußere Frequenzen annähert. Dieser Mechanismus basiert auf gut dokumentierten Prinzipien der neuronal rhythmischen Synchronisation, bei der bestimmte Bereiche des auditorischen und fronto-parietalen Netzwerks periodische Reize verarbeiten und Oszillationsfrequenzen adaptiv modulieren. Besonders im Kontext von Binaural Beats, Isochronen Tönen und monotonen akustischen Pulsen ist nachweisbar, dass der auditorische Input kortikale Netzwerke dazu anregen kann, Frequenzmuster im Bereich der Alpha-, Theta- oder Beta-Wellen zu verstärken oder abzuschwächen. Forschungsergebnisse aus Neurophysiologie, Kognitionswissenschaft und Stressforschung zeigen, dass diese Form der externen Frequenzstimulation potenziell Einfluss auf Aufmerksamkeit, Entspannungsfähigkeit, Stressreaktivität, Schlafneigung und kognitive Zustände haben kann – jedoch mit interindividuellen Unterschieden und begrenzter Effektstärke.
Der Effekt entsteht, weil auditorische Reize über Hirnstammstrukturen (u. a. Nucleus Olivaris Superior), den Thalamus und kortikale auditiv-sensorische Areale verarbeitet werden. Diese Regionen sind an der Modulation von Hirnrhythmik, Arousal (Erregungsniveau) und Aufmerksamkeitssteuerung beteiligt. Studien zeigen, dass bestimmte Stimulationsfrequenzen Alpha- und Theta-Aktivität temporär erhöhen können, was wiederum Zustände wie mentale Ruhe, fokussierte Aufmerksamkeit oder leichte Entspannung begünstigen kann. Aus Sicht der Stressphysiologie ist relevant, dass Brainwave-Entrainment potenziell den Einfluss des sympathischen Stresssystems reduzieren und parasympathische Reaktionen fördern kann. Gleichzeitig ist klar belegt, dass der Effekt nicht therapeutisch, nicht medizinisch wirksam im klinischen Sinne und nicht als Behandlung irgendeiner Störung zu verstehen ist.
Für Coaching- und Selbstregulationskontexte ist der auditorische Brainwave-Entrainment-Effekt vor allem deshalb relevant, weil er ein niedrigschwelliger sensorischer Stimulus ist, der Aufmerksamkeit fokussiert, Hintergrundrauschen reduziert und Körper- und Arousalzustände beeinflusst. So können akustische Frequenzmuster das Erleben von Ruhe, Konzentration oder sanfter Aktivierung unterstützen und dadurch bestimmte selbstregulative Prozesse erleichtern – etwa beim Übergang zwischen Arbeitsphasen, beim mentalen „Runterfahren“ oder beim Einleiten reflektiver Sequenzen.

