Stress – Schlaf – Schmerzen – Stoffwechsel – Sport – Sozialität – Sucht – Selbst

Antreiber

Antreiber sind psychologisch beschreibbare, meist früh gelernte innere Verhaltensprogramme, die menschliches Denken, Fühlen und Handeln in wiederkehrender Weise strukturieren. Sie basieren auf internalisierten Leistungs-, Beziehungs- oder Sicherheitsregeln, die in sozialen, familiären oder organisationalen Kontexten erworben wurden und langfristig das Selbstkonzept, das Stressverhalten, die Motivationslage und die Selbstregulation beeinflussen. Forschungsbasiert lassen sich Antreiber als stabile, aber veränderbare kognitive-emotionale Schemata beschreiben, die mit motivationalen Systemen (z. B. Bedürfnis nach Kompetenz, Zugehörigkeit, Kontrolle), Stressachsen (HPA-Achse, autonome Aktivierung) und erlernten Bewertungsmustern interagieren.

Das Antreiber-Modell – ursprünglich aus der Transaktionsanalyse (Taibi Kahler, empirisch in Teilen anschlussfähig an Kognitiv-Behaviorale Modelle) – beschreibt fünf häufig beobachtbare Muster:

  1. „Sei perfekt“ – Orientierung an Fehlervermeidung, hoher Kontrollanspruch, enge Selbstbewertung.
  2. „Sei stark“ – Betonung von Durchhaltefähigkeit, emotionale Zurückhaltung, hohe Autonomieorientierung.
  3. „Mach es allen recht“ – Fokus auf soziale Zustimmung, Harmoniestreben, erhöhte soziale Sensitivität.
  4. „Beeil dich“ – Zeitdruckorientierung, beschleunigtes Verhalten, schnelle Reizverarbeitung.
  5. „Streng dich an“ – beständige Leistungsorientierung, Schwierigkeiten mit Zielabschluss, starke Aktivierungsbereitschaft.

Aus heutiger wissenschaftlicher Perspektive lassen sich Antreiber funktional einordnen:
Sie sind keine Diagnosen, sondern adaptiv entstandene Muster, die unter Stress verstärkt sichtbar werden und im Alltag sowohl Vorteile (z. B. Leistungsbereitschaft, Verantwortlichkeit, soziale Empathie) als auch Belastungen (z. B. Überforderung, Selbstkritik, ineffiziente Selbstregulation) erzeugen können. Antreiber wirken über Aufmerksamkeitssteuerung, Bewertungsmuster, Erregungsniveau, Selbstwirksamkeitserleben, kognitive Verzerrungen und soziale Interaktionsstile.

Neuropsychologisch sind Antreiber anschlussfähig an:

  • Top-down-Selbstkontrollprozesse (präfrontaler Kortex),
  • Bedrohungs- und Überwachungsnetzwerke (ACC, Amygdala),
  • Belohnungskreisläufe (Striatum),
  • erlernte Verstärkungsmechanismen (operantes Lernen).

Unter Belastung erhöhen Antreiber häufig Sympathikus-Aktivierung, Selbstkritik, Perfektionismus oder Anpassungsdruck, was die Stressregulation beeinträchtigen kann. Gleichzeitig stellen sie wichtige Ressourcen dar, wenn sie bewusst reflektiert und kontextangepasst genutzt werden.

In Coaching-Kontexten dient die Arbeit mit Antreibern der Selbstreflexion, der Optimierung von Verhaltensmustern, der Selbstfürsorge, der Verbesserung von Kommunikationsprozessen und der Stressprävention – stets ohne therapeutische Rekonstruktion von Herkunftserfahrungen.