Stress – Schlaf – Schmerzen – Stoffwechsel – Sport – Sozialität – Sucht – Selbst

Angstprozesse

Angstprozesse umfassen die Gesamtheit der psychologischen, neurobiologischen und physiologischen Mechanismen, durch die der Organismus Bedrohungen erkennt, bewertet und darauf reagiert. Sie entstehen aus dem Zusammenspiel zwischen subkortikalen Alarmnetzwerken (v. a. Amygdala, Hypothalamus), kognitiven Bewertungsprozessen im präfrontalen Kortex sowie autonomen und hormonellen Stresssystemen (insbesondere Sympathikus, HPA-Achse, Cortisol). Angst ist evolutionär als Schutzsystem angelegt und dient dazu, Aufmerksamkeit zu fokussieren, Wachheit zu erhöhen und Verhalten zu mobilisieren, um Gefahr zu vermeiden oder zu bewältigen. In modernen Kontexten reagieren diese Systeme nicht nur auf reale Bedrohungen, sondern auch auf abstrakte Risiken wie Leistungsdruck, soziale Bewertung oder Überforderung. Angstprozesse beeinflussen Wahrnehmung, Entscheidungsverhalten, Muskeltonus, Atmung und Motivation direkt und können bei chronischer Aktivierung Selbstregulation, Schlaf, Konzentration und Belastungstoleranz einschränken.

Aus psychologischer Perspektive umfassen Angstprozesse verschiedene Ebenen:

  • affektive Ebene: subjektives Gefühl von Bedrohung oder Anspannung
  • kognitive Ebene: Gedanken, Bewertungen, Risikoabschätzung, Katastrophisierung
  • physiologische Ebene: Anstieg von Herzfrequenz, Atemfrequenz, Muskelspannung
  • behaviorale Ebene: Vermeidung, Rückzug, Sicherheitsverhalten, Kontrollverhalten

Neurobiologisch gesehen sind Angstprozesse hochgradig adaptiv, aber störanfällig gegenüber Stress, Schlafmangel, sozialem Druck oder wiederholten Belastungen. Die Intensität und Dauer von Angst wird wesentlich durch Aufmerksamkeitslenkung, Erregungsniveau (Arousal), Interozeption, Bewertungsmechanismen und Lernerfahrungen moduliert.


Welche Angstformen werden in Psychologie und klinischer Forschung unterschieden?

(keine Therapieaussagen – nur wissenschaftliche Einordnung)

Grundformen (evolutionär, verhaltensbiologisch)

  • Situationsangst: direkte Bedrohung (z. B. Unfälle, Gefahrenquellen)
  • Soziale Angst: Bedrohung durch Ablehnung, Bewertung, Ausschluss
  • Trennungsangst: Verlust sozialer Sicherheit
  • Leistungsangst: Leistungsdruck, Fehler- oder Versagensangst
  • Generalisiertes Gefahrenempfinden: dauerhafte Wachsamkeit ohne klaren Auslöser

Klinisch definierte Angstformen (nicht für Coaching, nur zur Abgrenzung relevant)

  • spezifische Phobien
  • soziale Angststörungen
  • Panikstörung
  • generalisierte Angststörung
  • Gesundheits- und Krankheitsängste
  • Zwangsspektrum (wegen Angst vor Kontrollverlust oder Fehlern)
  • traumabezogene Angstformen

Diese Auflistung dient ausschließlich der inhaltlichen Orientierung, nicht der diagnostischen Nutzung.

Spezifische Angstkategorien aus der Verhaltens- und Neuropsychologie

  • Antizipatorische Angst: Reaktion auf erwartete Bedrohung
  • Kontextuelle Angst: durch Umfeld, Orte oder Situationen ausgelöst
  • Erlernte Angst: durch Konditionierung, Erfahrung oder Beobachtung
  • Angstverstärkung durch Vermeidung: klassischer Rückkopplungsmechanismus
  • Angst durch Kontrollverlust: häufig bei Stress und Überforderung
  • Interozeptive Angst: durch Körperempfindungen ausgelöst (z. B. Herzrasen)