Die Amygdala, auch als Corpus amygdaloideum bezeichnet, ist ein zentraler Kernkomplex im medialen Temporallappen und gehört zum limbischen System. Sie spielt eine Schlüsselrolle bei der emotionalen Verarbeitung, insbesondere bei der Bewertung von Bedrohung, sozialer Relevanz und Unsicherheit. Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass die Amygdala eng mit dem Hypothalamus, dem präfrontalen Cortex, dem Hippocampus, dem Insula-Netzwerk und dem autonomen Nervensystem verschaltet ist und damit wesentliche Stress- und Emotionsreaktionen koordiniert.
Physiologisch ist die Amygdala entscheidend an der Initiierung autonomer Stressreaktionen beteiligt: Sie aktiviert die HPA-Achse, moduliert Cortisolfreisetzung, verstärkt Sympathikusaktivität und beeinflusst Atem-, Herz- und Muskeltonusveränderungen. Psychologisch unterstützt sie die schnelle, intuitive Bewertung von Situationen, steuert Aufmerksamkeit auf potenzielle Gefahren und formt emotionale Gedächtnisinhalte — vor allem im Kontext von Stress, sozialer Interaktion und Risikoabschätzung.
In der Stressforschung gilt die Amygdala als „Frühwarnsystem“, das externe und interne Signale bewertet, bevor bewusste kognitive Verarbeitung einsetzt. Überaktivität kann zu erhöhter Stresssensibilität, Grübeln, sozialer Unsicherheit oder körperlicher Anspannung beitragen, während präfrontale Regulation die Amygdala-Antwort modulieren kann. Die Amygdala ist damit ein zentraler Knotenpunkt im Zusammenspiel von Emotion, Stressphysiologie, Aufmerksamkeitssteuerung und Verhaltensregulation.

