Affektivität bezeichnet die grundlegende Fähigkeit des Menschen, emotionale Reaktionen zu erleben, auszudrücken und physiologisch zu verarbeiten. Sie umfasst die gesamte Bandbreite spontaner, oft automatisch ablaufender Gefühlsprozesse, die durch neurobiologische, hormonelle und kognitive Mechanismen ausgelöst werden. In der wissenschaftlichen Psychologie wird Affektivität als zentraler Bestandteil der emotionalen Grundarchitektur verstanden: Sie beeinflusst Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Motivation, Körperreaktionen und Verhalten bereits auf frühen, meist vorbewussten Verarbeitungsstufen.
Neurowissenschaftlich ist Affektivität eng verknüpft mit Frühwarnsystemen der Emotion (insbesondere Amygdala, Insula, anteriorer cingulärer Cortex) sowie mit autonomen Reaktionen über das sympathische und parasympathische Nervensystem. Affektive Reaktionen modulieren Herzfrequenz, Muskeltonus, Atemmuster und Stresshormonfreisetzung und bilden damit die physiologische Grundlage vieler Stress- und Regenerationsprozesse. In der Persönlichkeitsforschung wird Affektivität häufig durch stabile Unterschiede in positiver und negativer Affektivität beschrieben, die das individuelle Stressempfinden, die Emotionsregulation und die Selbstwahrnehmung beeinflussen.
Affektivität steht in enger Wechselwirkung mit Selbstregulation, Impulskontrolle und kognitiven Bewertungen. Unter Stress verstärken sich affektive Reaktionen und beeinflussen Entscheidungen, Aufmerksamkeit und Verhalten. Chronisch erhöhte negative Affektivität gilt als Risikofaktor für Belastung, Erschöpfung und dysfunktionale Bewertungsmuster, während hohe positive Affektivität mit Resilienz, sozialer Verbundenheit und physiologischer Erholungsfähigkeit assoziiert ist.
Für Coaching- und Selbstführungsprozesse ist Affektivität bedeutsam, weil sie erklärt, warum Menschen in herausfordernden Situationen impulsiv, vermeidend, überkontrollierend oder überangepasst reagieren. Eine differenzierte Betrachtung affektiver Reaktionsmuster ermöglicht die Förderung von Selbstwahrnehmung, Erregungsregulation und emotionaler Klarheit – ganz ohne klinische Diagnostik oder therapeutische Intervention.

