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Acceptance and Commitment Theory

Die Acceptance and Commitment Theory (ACT) ist ein empirisch gut etabliertes, kontextualistisch-funktionales Modell der modernen Verhaltenswissenschaften, das auf den Prinzipien der Relational Frame Theory (RFT) basiert. In der psychologischen Forschung beschreibt ACT kein klassisches „Interventionsverfahren“, sondern einen theoretischen Rahmen, der erklärt, wie Menschen mit inneren Erfahrungen (Gedanken, Gefühlen, Impulsen, Körperempfindungen) interagieren und wie diese Interaktion Verhalten, Entscheidungen und langfristige Orientierung beeinflusst. Der zentrale Mechanismus ist psychologische Flexibilität – die Fähigkeit, eigene innere Erfahrungen wahrzunehmen, ohne von ihnen dominiert zu werden, und gleichzeitig werteorientiert zu handeln.

ACT unterscheidet sechs Kernprozesse, die in der Forschung umfassend untersucht wurden:

  1. Akzeptanz: Anpassungsfähiger Umgang mit inneren Erfahrungen, statt Vermeidung oder Überkontrolle.
  2. Kognitive Defusion: Abstand zu mentalen Inhalten, um automatische Fusion mit belastenden Interpretationen zu reduzieren.
  3. Selbst-als-Kontext: Wahrnehmung eines stabilen inneren Beobachterstandpunktes statt Identifikation mit wechselnden Gedanken/Emotionen.
  4. Achtsamkeit/Präsenz: Flexible, gegenwartsbezogene Aufmerksamkeit.
  5. Werteklärung: Identifikation intrinsisch motivierender Orientierungsprinzipien.
  6. Committed Action: Verhalten, das aktiv an definierten Werten ausgerichtet wird (z. B. im Coaching-Kontext als „Commitment-Coaching“ operationalisiert).

Neurowissenschaftliche Studien zeigen, dass ACT-relevante Prozesse – insbesondere Defusion und Akzeptanz – mit reduzierter limbischer Reaktivität, stabilerer präfrontaler Kontrolle und erhöhten Parametern psychologischer Flexibilität zusammenhängen. In der Stressforschung gilt ACT als eines der robustesten Modelle, um zu erklären, warum Menschen unter Belastung zu Vermeidung, Überanpassung, Rumination oder impulsiven Stressreaktionen neigen.

Im Coaching-Kontext wird ACT nicht therapeutisch angewendet, sondern dient als wissenschaftliches Orientierungsmodell, um:

  • Werteklärung strukturiert zu begleiten,
  • Handlungsspielräume unter Stress sichtbar zu machen,
  • psychologische Flexibilität zu fördern,
  • dysfunktionale Selbstbewertungen zu entlasten,
  • und realistische, wertekongruente Entscheidungen zu unterstützen.