A) Klinisch-psychiatrische / traumafokussierte Bedeutung
(mit klarer Abgrenzung – diese Inhalte dienen nur der fachlichen Einordnung, nicht der Anwendung im Coaching)
In klinischen und traumafokussierten Kontexten bezeichnet eine Abschaltreaktion eine Form der dissoziativen oder hypoarousalen Stressantwort, bei der das Nervensystem auf extreme Überforderung mit einem Herunterfahren zentraler Funktionen reagiert. Diese Muster treten häufig im Rahmen von Dissoziationen, Freeze-Zuständen, tonischer Immobilität oder Shut-Down-Reaktionen auf.
Physiologisch handelt es sich um einen stark parasympathisch dominierten Zustand (Dorsal-Vagus-Aktivierung), der zu:
- emotionaler Abflachung
- Wahrnehmungsverengung
- reduzierter Reaktionsfähigkeit
- motorischer Hemmung
- innerem „Wegtreten“
führen kann.
Solche Reaktionen gehören in den Bereich der klinischen Diagnostik und Behandlung und sind nicht Gegenstand von Coaching.
B) Psychologisch-regulative Definition für Coaching, Stressphysiologie und Selbstführung (nicht therapeutisch)
Im nicht-klinischen Kontext beschreibt eine Abschaltreaktion eine vorübergehende, biologisch sinnvolle Schutzantwort des Nervensystems, die entsteht, wenn Belastung, Erschöpfung oder Reizintensität bestimmte Schwellen überschreiten. Es handelt sich dabei um ein hypoarousal-basiertes Muster innerhalb der normalen Stressphysiologie.
Typische Merkmale:
- kurzfristiger Energiemangel oder Erschöpfungsgefühl
- Rückzugstendenz
- kognitive Verlangsamung
- verminderter Fokus und Antrieb
- Bedürfnis nach Ruhe, Reduktion oder Abschirmung
Diese Reaktion entspricht einer natürlichen Down-Regulation, die auftritt, wenn die Kombination aus Stress, Anspannung oder mentaler Überlastung nicht mehr über Aktivierung (Fight/Flight) reguliert werden kann.
In der Coaching-Perspektive ist die Abschaltreaktion kein Symptom einer Störung, sondern ein Signal für Ressourcenerschöpfung, Reizüberladung oder fehlende Erholungsfenster. Sie zeigt an, dass das autonome Nervensystem versucht, Selbstschutz, Energiestabilisierung und Überlastungsbegrenzung herzustellen.

