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Faktenphase (Krisenverarbeitung)

Die Faktenphase bezeichnet in der wissenschaftlichen Krisenpsychologie eine frühe Phase der Belastungs- oder Schockverarbeitung, in der Menschen primär versuchen, konkrete Informationen, Ursachen, Abläufe und Folgen einer belastenden Situation zu verstehen. Diese Phase ist gekennzeichnet durch ein erhöhtes kognitives Kontrollbedürfnis: Das Gehirn versucht, Unsicherheit zu reduzieren, indem es Daten sammelt, kausale Zusammenhänge identifiziert und die Realität überprüfbar macht. Neuropsychologisch ist die Faktenphase eng mit der Aktivität präfrontaler Netzwerke verbunden, die nach einer Stressreaktion wieder versuchen, Ordnung, Struktur und mentale Orientierung herzustellen.

Die Faktenphase tritt typischerweise nach dem unmittelbaren physiologischen Stressanstieg (Sympathikusreaktion, Alarmphase) auf. Sie dient der mentalen Stabilisierung und ist ein adaptiver Mechanismus, der Klarheit, Handlungsfähigkeit und Priorisierung vorbereitet. In dieser Phase wird oft intensiver recherchiert, nach Mustern gesucht oder versucht, komplexe Situationen logisch zu erfassen. Gleichzeitig kann sie durch Überforderung, Informationsflut oder emotionale Aktivierung beeinträchtigt werden.

In nicht-klinischen Kontexten – wie Coaching, Beratung oder Leistungssituationen – wird die Faktenphase genutzt, um Belastungen zu strukturieren, Realität von Interpretation zu trennen, Ressourcen sichtbar zu machen und Entscheidungsprozesse vorzubereiten, ohne psychische Störungen zu diagnostizieren oder zu behandeln. Hier dient sie als funktionale Basis zur Selbstregulation, zur Situationsanalyse und zur weiteren Zielfokussierung.