Stress – Schlaf – Schmerzen – Stoffwechsel – Sport – Sozialität – Sucht – Selbst

Bliss Point / Glückspunkt

Der Bliss Point bezeichnet in der Ernährungs-, Neuro- und Verhaltensforschung den exakt jenen Anteil an Zucker, Fett, Salz und Aroma, der in Lebensmitteln die maximale geschmackliche Belohnungswirkung erzeugt, ohne sensorische Sättigung oder Geschmacksüberdruss auszulösen. Der Begriff geht vor allem auf Arbeiten aus der Lebensmittel- und Konsumpsychologie sowie der neurowissenschaftlichen Belohnungsforschung zurück. Der Bliss Point aktiviert das dopaminerge Belohnungssystem, insbesondere das mesolimbische System (u. a. Nucleus accumbens), und steigert dadurch Appetitantrieb, Wiederholungswahrscheinlichkeit und konsumbezogene Motivation.

Physiologisch entsteht der Effekt aus einem Zusammenspiel von Geschmacksrezeptoren, olfaktorischen Signalen und der zentralen Verarbeitung von Belohnungsreizen. Psychologisch spielt der Bliss Point eine zentrale Rolle bei Craving, stressinduziertem Essverhalten und „hedonic eating“. Der Bliss-Point-Effekt ist jedoch kein pathologischer Mechanismus, sondern eine evolutionär sinnvolle Reaktion auf energiereiche Reize – die heutige Lebensmittelindustrie nutzt ihn gezielt, um Produkte zu entwickeln, die möglichst hohe Konsumattraktivität erzeugen.

In stressbelasteten Situationen kann der Bliss Point verhaltensrelevant werden, da erhöhte Aktivierung, Cortisolausschüttung und reduzierte präfrontale Kontrolle das Impulsessen und die Suche nach schnell verfügbarer Belohnung verstärken. Der Begriff ist für Coaching, Ernährungsaufklärung und Selbstregulationsarbeit relevant, weil er erklärt, warum bestimmte Lebensmittel schwer zu regulieren sind und warum Stress essbezogene Impulse verändert.